heckspoilerDer Heckspoiler…

Zumindest die älteren unter uns werden sich ja sicher noch an diese automobilistische Unsitte erinnern können. Denn wenn man in den 70er und 80er Jahren ein Auto sein eigen nannte, dann musste dieses wenigstens optisch aufgewertet werden. Die einen versuchten mangelnde Motorleistung mit preisgünstigen Aufklebern – vorwiegend mit Flammen-Design – auszugleichen. Hatte man ein paar DM (das war unsere ehemalige stabile Währung) zuviel auf der Sparkasse, dann durfte es auch gerne einmal ein Heckspoiler sein.

Beim Heckspoiler handelt es sich um die Verlängerung des Daches eines Fahrzeuges über die Heckscheibe hinaus. Bei Limousinen jedoch wurde der Heckspoiler auf dem Kofferraumdeckel angebracht, jedoch durfte dieser Heckspoiler nicht zu groß ausfallen, weil er sonst den Opel Kadett mit 55 PS doch arg eingebremst hätte. Das tat allerdings der Begeisterung für den Heckspoiler, in Fachkreisen auch Potenzbalken oder Stehtheke genannt, keinen Abbruch.

Denn der Heckspoiler diente einzig und alleine dem Zweck, das „Auto“ optisch aufzupeppen und das Paarungsverhalten des Besitzers ankurbeln. So kam es, dass der Heckspoiler schon bald anti-proportional zur Penislänge des Besitzers in unglaubliche Maße anwachsen konnte. Manches Weibsvolk stand auf den großen Heckspoiler und da war es eher nebensächlich, dass der Fahrer noch mit spätpubertären Pickeln übersät war.

Der automobilistische Supergau erfolgte in den 80er Jahren, als der Opel Manta die deutschen Straßen überflutete. Mit diesem Fahrzeug feierte auch der Fuchsschwanz ein ungeahntes Comeback, denn ein Manta ohne Fuchsschwanz war einfach kein vollwertiges Auto. Es gab dann allerdings auch Fetischisten, die selbst an den Manta noch eine Stehtheke schraubten und so den Besitzern (meist Kfz-Lehrlinge bei Opel) noch den letzten Pfennig (unsere kleinere ehemalige stabile Währung) aus der Tasche gezogen wurde.

Doch nicht nur der halbwegs versierte Schrauber strafte sein Auto mit solch einem Plastik-Ungetüm, auch die Automobilindustrie merkte bald, dass mit dem Heckspoiler noch ein paar Drachmen (ehemalige wertlose griechische Währung) zu verdienen waren. Und fing an, ahnungslose und völlig wehrlose Mittelklasse-Wagen mit serienmäßigen Plastik-Balken auf dem Kofferraumdeckel zu bestücken. Es gab sogar Zeiten, da war kaum ein Neuwagen ohne Heckspoiler zu bekommen, außer vielleicht ein 200er Rentner-Diesel von Mercedes.

Doch die Größe des Heckspoilers war nicht in jedem Fall mit der Leistung des Autos gleichzusetzen. So konnte man immer mal wieder Fahrer in freier Wildbahn beobachten, wie sie trotz heftigster Bemühungen einen von ihnen provozierten Ampelstart gegen ihren Gegner – zumeist Rentner in champagnerfarbenen Mercedes Diesel – verloren, obwohl sie ihren 60-PS-Antrieb bis zum letzten auskitzelten.

Heute hat sich der Heckspoiler dem Herrn Gott sei Dank weitestgehend aus unserer Gesellschaft verflüchtigt. Nur manchmal kann man noch etwas betagtere Fahrzeuge mit diesen riesigen Schandbalken sehen. So wird der Heckspoiler heute gerne durch übergroße lackierte Plastik-Stoßstangen und überbreite Beplankungen an den Schwellern begleitet. Diese haben allerdings auch nur den einen Zweck, mangelnde Motorleistung durch halb-sportliche „Racing-Optik“ zu vertuschen.

„Genau wie früher“ dachte ich mir eben, als ich den plastikverzierten VW Golf dann nur noch im Rückspiegel sah…

Mein Name ist Hans

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