Der Nasenbohrer

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Leute beobachten ist ja eines meiner Hobbys. Ich kann mich stundenlang irgendwo hinsetzen und mir die verschiedenen Eigenarten meiner Mitmenschen zu Gemüte führen. Dabei ist mir in der letzten Zeit eine Unart besonders ins Auge gefallen: Das Nasenbohren. Beginnen wir zunächst mit den verschiedenen Bohrtypen.

Da hätten wir erst einmal den Genussbohrer. Er zeichnet sich dadurch aus, das er selbst bei ungenügender Beute immer weiter vor sich hinbohrt. Meistens benutzt er dazu den Zeigefinger der rechten Hand. Was auch daran zu erkennen ist, das dieser Finger farblich nicht so ganz zum Rest der Hand passt, weil er halt meistens im dunklen arbeitet.

Mit dem Fingernagel nach vorne, setzt er zunächst am rechten Nasenloch an, dann stößt er den Finger etwa einen Zentimeter tief hinein, um in dann mit einer langsamen Drehbewegung wieder hinaus zu ziehen. Dann betrachtet er prüfend den Finger. Hat er Beute gemacht in Form eines sogenannten Mömmes (dieser Ausdruck kann regional variieren…), so beginnt er diesen genussvoll unter Mithilfe des rechten Daumens zu rollen.

Zwischendurch untersucht er dann das Objekt seiner Begierde, ob es eine genügend runde Form angenommen hat. Ist dies der Fall, so schnippt er ihn möglichst lässig in den Raum. Professionelle Nasenbohrer zielen hierbei auf herumstehende Papierkörbe. Wobei man den erfahrenen Popler an seiner großen Treffsicherheit erkennt.

Als nächstes wenden wir uns dem sogenannten Hungerbohrer zu. Selbst auf einen unvoreingenommenen Beobachter macht er den Eindruck als habe er bereits längere Zeit keine Nahrung mehr zu sich genommen. Man erkennt ihn meist an seiner Gier. Er hat keinen speziellen Finger den er beim popeln bevorzugt, genauso wenig bevorzugt er eines seiner Nasenlöcher. In beiden Punkten entscheidet er sehr kurzfristig.

Er rammt einen beliebigen Finger in ein beliebiges Nasenloch, um dann hemmungslos darin herum zu wühlen. Fachärzte ziehen gerne den Vergleich mit einem Schlagbohrhammer heran. Hat er das Gefühl das ausreichende Beutemengen am gerade eingesetzten Finger kleben, so führt er diesen unverzüglich zum Mund, steckt ihn hinein und wenn man genau hinhört, kann man in diesem Moment auch Schmatzgeräusche vernehmen.

Fachleute sagen dazu: Es handelt sich wahrscheinlich um ein Geräusch, das aus Freude über die Beute ausgestoßen wird. Den Hungerbohrer kann man mit etwas Glück stundenlang beobachten. Bis zu dem Punkt, an dem er keine Beute mehr findet. Ist das der Fall kann es zu schweren seelischen Depressionen kommen. Wie dem entgegen zu wirken ist, konnte bis heute noch nicht festgestellt werden.

Der dritte und letzte Bohrer ist der Ampelbohrer. Er ist schnell beschrieben, da es ihn in sehr großer Anzahl gibt und jeder interessierte ihn jederzeit selber beobachten kann. Am einfachsten ist dies in einer Großstadt möglich. Stellt euch an eine vielbefahrene Kreuzung und achtet vor allem auf die Fahrer der beiden Nobelmarken BMW und Mercedes.

Obwohl sie beim bohren ein wenig lustlos wirken und den Anschein erwecken, als ob sie nur aus Langeweile bohren würden, ist es doch immer wieder interessant und lustig ihnen zuzusehen. Der Ampelbohrer bohrt grundsätzlich aus Langeweile und ist weniger auf Beute aus. Wichtig ist ihm alleine die Beschäftigung bis die Ampel wieder auf grün umspringt. Hat der Ampelbohrer den Moment des Beute wegschnippens verpasst, kann diese Beute auch schon einmal am Lenkrad landen…

Eine Frage zu Benimmregeln

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Gemeinhin ist es üblich, sich bei einer Begrüßung und bei der Verabschiedung die Hand zu geben. Sagen wir mal so: Die meisten Zeitgenossen beherzigen diese Regel. Doch schon seit längerer Zeit setzen sich auch andere, legere Formen der Begrüßung durch: Ein joviales “Hallo, wie gehts?” oder “Alles klar?” ersetzen immer häufiger die althergebrachte Benimmregel.

Ich stecke allerdings jetzt in der Zwickmühle. Denn gestern, als ich einen alten Kollegen und dessen Frau traf, habe ich die beiden natürlich “althergebracht” begrüßt. Doch wie mir erst hinterher brennend heiß einfiel, glatt vergessen ihren Hund auch zu begrüßen. Sehr unangenehm…. Was mag der Köter Hund jetzt von mir denken? Gibt es bei Tieren eigentlich besondere Verhaltensregeln?

Allgemein gilt ja bei der Begegnung mit Quastenflossern, Zitteraalen und Paarhufern ein freundliches “Na mein kleiner!” oder alternativ dazu ein “Du siehst aber süß aus!” als höfliche Begrüßung. Ein freundschaftliches Schulterklopfen sollte man allerdings nur bei Tieren anwenden, die auch über Schultern verfügen…

Aber was ist denn jetzt mit Hunden? Oder Katzen? Muss ich die auch begrüßen? Haben wir hier vielleicht Fachleute, die mir diese Frage einmal beantworten können?

Der Taxifahrer

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Taxifahrer war in frühen Jahren einer meiner Traumberufe. Seit der EURO eingeführt wurde ist diese Beförderungszunft aber scheinbar auf dem absteigenden Ast, zumindest hier bei uns. Denn die Menschen fahren weniger Taxi und Kurzstrecken werden aus Preisgründen jetzt auch mal mit Bahn oder Bus erledigt.

Früher standen an jeder Ecke dutzende mehrere Droschken die auf Fahrgäste warteten. Heute sieht man das eigentlich nur noch in der Innenstadt und am nahe gelegenen Flughafen. Und immer dann, wenn man mal ein Taxi benötigt, ist meistens keines da…

Der Taxifahrer (nicht nur in Köln) ist eine Person, welche vorzugsweise fremde Menschen Männer nach einem Kneipen- Disco- oder Puffbesuch nach Hause fährt, wo dann die Frau schon mit dem Nudelholz Essen wartet. Zum Beruf des Taxifahrers qualifiziert man sich, indem man entweder zu wenig oder aber zu viel Zeit an Schulen verbracht und gelernt hat und durch eine halbwegs passable Ortskenntnis.

Alternativ muss sollte man mindestens soviel Deutsch beherrschen, um Passanten nach dem Weg fragen zu können. Denn was nützt das beste Navigationssystem, wenn man die Anweisungen nicht lesen oder gar verstehen kann? Hier bei uns ist die Berufsgruppe des Taxifahrers oftmals der deutschen Sprache überhaupt nicht mächtig oder hat ein abgebrochenes Germanistikstudium vorzuweisen.

Der Taxifahrer mag Lärm. Daher hupt er sich in seinem häufig cremefarbenem Auto oft einen zurecht. Nach einer Studie einer großen deutschen Tageszeitung patscht er mit seinen kleinen runden Händchen mindestens 45 mal pro Stunde auf die Hupe vor seinem Bauch. Denn der Taxifahrer ist der Fürst im Straßenverkehr, auch wenn er kein Deutsch versteht. Und um sich hier in Köln mit einem Taxi zu behaupten ist es auch nicht verkehrt, erste Fahrversuche in einer indischen Großstadt gemacht zu haben.

Es soll allerdings auch Taxifahrer geben, die Deutsch verstehen. Diese sind aber meist auf Hartz IV-Niveau bezahlt und relativ unlustig bei der Sache. Die Stadt in der sie fahren kennen sie manchmal nicht so gut, genau wie ihre osteuropäischen Kollegen. Daher empfiehlt es sich hier auch mit 3 Promille noch selbst zu fahren – dann kann man wenigstens sicher sein auch am Ziel anzukommen.

Der durchschnittliche Taxifahrer ist ein Gemütsmensch – komm ich heute nicht, komm ich morgen. Er wiegt 1,5 Tonnen (ohne Fahrzeug) und strahlt einen angenehm warmen Geruch nach Knoblauch aus. Er redet daher im Regelfall auch wenig, um die Fahrgäste nicht kostenlos an seinem Mittagessen teilhaben zu lassen. Außerhalb der osteuropäischen Fahrerfraktion wurden auch schon relativ dunkelhäutige Exemplare mit einem Turban gesichtet.

Diese bestechen meist durch einen exorbitanten orientalischen Musikgeschmack. Es kommt schon einmal vor, dass ein Taxifahrer grimmig und/oder schlecht gelaunt ist. Dann empfiehlt es sich, ihm einen kleinen Obolus zusätzlich zum Fahrpreis zu geben. In Fachkreisen nennt man das Trinkgeld. Und manchmal lächelt er dann auch, der Taxifahrer. Und wenn er dann auch noch ein relativ unverständliches “Danke” in Richtung Fahrgast haucht, dann bekommt man doch noch ein wenig von seinem Mittagessen….