Ist Griechenland dem #Grexit entronnen?

lupeWar es das jetzt?

17 Stunden lang haben die Staats- und Regierungschefs der Eurozone bis gestern vormittag verhandelt. Danach wurde Vollzug gemeldet. Aber noch nicht über weitere Hilfszahlungen, denn darüber muss jetzt erst noch verhandelt werden. Und ob das geschieht steht auch noch in den Sternen, denn nicht nur unserer Parlament muss noch sein “Ja” dazu geben, auch die anderen europäischen Partner müssen darüber noch abstimmen. Wobei ich nicht glaube, dass man Griechenland jetzt quasi auf der Ziellinie verhungern lässt.

Bis zur gestrigen Einigung über weitere Verhandlungen haben der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und bis vor kurzem auch sein zurückgetretener Finanzminister Janis Varoufakis hoch gepokert. Teilweise wurden die Nerven der beteiligten aufs äußerste strapaziert, es wurden Zusagen gemacht, es wurde öffentlich beschimpft, schlußendlich die griechische Bevölkerung befragt. Genutzt hat dies den Griechen wenig, denn die Glaubwürdigkeit von Tsipras und Co wurde von vielen in Frage gestellt.

Man kann die aktuelle griechische Regierung nicht für die vielen Fehler der Vergangenheit verantwortlich machen. Tsipras hat versucht seine Wahlversprechen eins zu eins durchzusetzen, wahrscheinlich aber nicht mit der Hartnäckigkeit seiner Verhandlungspartner gerechnet. Wobei bei mir am Wochenende der Eindruck entstand, als würden Kritiker und Medien das ganze zu einem Zweikampf zwischen Griechenland und Deutschland hochstilisieren.

Die bösen Deutschen in Person von Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble bekamen plötzlich ganz viel Kritik und auch im Internet ging da richtig die Post ab. Die – zugegeben – sehr harten Forderungen der Gläubiger in den Verhandlungen über ein neues Hilfspaket lösten unter dem Hashtag #ThisIsACoup einen wahren Kritik-Sturm aus. Da hatte man teilweise den Eindruck, Deutschland wolle sich Griechenland einverleiben und sogar das böse Wort “Nazi” wurde mehr als einmal benutzt.

Doch im Endeffekt hatten und haben auch noch einige Mitgliedsländer mehr große Bedenken, den Griechen weitere Hilfen zu gewähren. Und ob Tsipras mit seinem Pokerspiel Erfolg hatte darf bezweifelt werden. Denn das schon angesprochene Referendum, in dem im Endeffekt gegen die Bedingungen der Geldgeber gestimmt wurde, war gelinde gesagt ein Schuss in den Ofen. Denn nun musste er sich viel drastischeren Forderungen der Euro-Partner beugen.

Und das muss er seinen Wählern auch erst einmal plausibel machen. Und sollte auch gleich erklären, dass die Quittung der griechische Bürger bezahlen muss, der sich in den nächsten Jahren auf harte Sparmaßnahmen einstellen muss. Und bis morgen muss Tsipras gleich mehrere Gesetze beschließen lassen, die sein Wahlprogramm ad absurdum führen. Denn versprochen hatte er wohl etwas zu großspurig, dass weder etwas gekürzt noch dass man sich andere Sparmaßnahmen bieten lassen werde.

Jetzt muss er Renten kürzen, die Mehrwertsteuer muss erhöht werden und die jetzt schon nicht zu den Reichen gehörenden Griechen werden dies deutlich zu spüren bekommen. Und diese Gesetze müssen beschlossen werden, nur um Verhandlungen über ein neues Rettungspaket überhaupt erst zu ermöglichen. Doch welche andere Möglichkeit hat man? Keine, man ist im Endeffekt den kompletten Euro-Partnern ausgeliefert, nicht nur Deutschland. Auch wenn einige das anders sehen oder sehen wollen…

Wenn man bedenkt dass die Finanzexperten noch im April/Mai schätzten, das etwa 30-40 Milliarden Euro nötig seien um Griechenland zu retten, spricht man jetzt schon ca. 85 Milliarden Euro. Was dann eine ungefähre Gesamtschuld von 350 Milliarden Euro ergibt, wovon immerhin über 100 Milliarden aus Deutschland stammen. Da müsste man mit nur 11 Millionen Einwohnern erst einmal einen strammen Überschuss erwirtschaften, um schon die Zinsen zurückzahlen zu können. Weshalb ich persönlich auch – Wohl oder Übel – eher für einen Schuldenschnitt plädieren würde, denn dieses Geld wird man voraussichtlich nie mehr wieder sehen. Eine Meinung die ich nicht alleine vertrete…

Tsipras hat am Schluß eingelenkt und endlich die erforderlichen Zugeständnisse gemacht, ohne die es auch nicht geht. Denn eine Hand wäscht die andere und ohne Gegenleistung bekommt auch ein Privatmann keinen Kredit. Zwar wird man sich, wenn es denn zum neuerlichen Hilfspaket kommen sollte, in den nächsten Jahren mächtig einschränken müssen, als Mitglied der Eurogruppe werden aber alle Partner ein Auge darauf haben, das wieder Wachstum im Land kommt und Griechenland auch ohne fremde Hilfe klar kommt. Das wird dauern und es wird schwierig aber es ist der einzig vernünftige Weg.

Ob Tsipras sein Einlenken politisch überleben wird? Schaun mer mal wie der Kaiser sagt…

Leben in der Großstatdt

nurmalsoHier steppt abends der Bär.

Und ich frage mich wirklich, ob es abends bei uns in der Straße, quasi genau gegenüber unseres Hauseingangs, etwas umsonst gibt. Es ist Sommer und um diese Jahreszeit lungern nämlich schon seit einiger Zeit ein paar Steppenkinder mit einem offensichtlich exorbitant niedrig ausgeprägten Sozialisierungsgrad herum und machen die Nacht zum Tage. Immer wenn es dunkel wird strömen sie da aus verschiedenen Richtungen zusammen. Vielleicht werden sie auch von ihren Familien abends um zehn Uhr vor die Tür gejagt, damit sie Zeit zum in-sich-gehen haben.

Obwohl, wenn ich mir einige dieser Gestalten so anschaue, dann ist Nasenbohren bei denen das einzige Anzeichen von in-sich-gehen. Und ich denke, dass dies auch die künftige Generation ist, die dank permanenter Maximalbeschallung mittels eines mp3-Players oder eines Smartphones langsam aber sicher schwerhörig wird.

Oder wie anders ist es zu erklären, dass sich fünf Personen die im Kreis zusammen stehen, nicht in normaler Lautstärke unterhalten, sondern sich ständig anschreien. Vielleicht ist dies aber auch eine neue Form von Exhibitionismus… Nun ja, nach den Sommerferien haben sie hoffentlich wieder weniger Zeit, vielleicht regnet es ja auch demnächst abends. Am besten regelmäßig…

Immer wieder Tour de France

fahrradIch bin ja immer noch Fan.

Trotz der ganzen Dopingskandale die den Radsport vor einigen Jahren geradezu erschüttert haben, schaue ich mir immer noch zumindest die großen Rundfahrten wie Giro d’Italia, Vuelta oder wie jetzt aktuell die Tour de France an. Es wird auch in Zukunft sicher noch vereinzelte Dopingfälle geben, allerdings sind die im Moment in der Leichtathletik deutlich mehr zu verzeichnen als im Radsport. Im großen und ganzen ist der Radsport deutlich sauberer geworden, eine neue Generation Fahrer ist am Start, häufigere Kontrollen und saftige Geldstrafen die in den Verträgen enthalten sind tun ein übriges.

Doch beenden wir dieses leidige Thema, widmen wir uns dem Sport. Wenn man sich die Menschenmassen gerade bei der Tour de France anschaut, dann hat der Radsport nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Zudem genießt die Tour in Frankreich einen absoluten Sonderstatus. Die Start- und Zielorte zahlen richtig Kohle dafür, während der Tour bedacht zu werden. Die Tour ist in Frankreich nach wie vor sehr werbewirksam und die gezahlten Summen holt man locker wieder herein.

Die Veranstalter benötigen keine Genehmigungen, um etwa Bahnübergänge, Straßen oder gar Autobahnen zu sperren und erst recht fallen keine Gebühren an. In Deutschland wäre so etwas undenkbar. Die Tour hat Tradition, man ist stolz auf diese sportliche Tradition und das zeigt man auch. Da stehen Zuschauer in den unmöglichsten Verkleidungen am Straßenrand, da wird das Tour-Emblem auf Feldern und Wiesen gezeigt und auch sonst sind die Zuschauer sehr einfallsreich, um ihre Tour zu bewerben.

In diesem Jahr hatten wir mit Tony Martin nach langer Zeit mal wieder einen deutschen Fahrer, der die Ehre hatte das gelbe Trikot zu tragen. Leider stürzte er am Donnerstag durch eine Unachtsamkeit, brach sich das Schlüsselbein und musste die Rundfahrt früh beenden. Zwei Etappensiege konnte Sprinter André Greipel bereits erringen, der allerdings vorgestern sein grünes Trikot des besten Sprinters wieder verlor.

Die 7 Etappensiege durch deutsche Rennfahrer aus dem vergangenen Jahr dürften in diesem Jahr wohl kaum zu toppen sein, doch wir haben zumindest wieder deutsche Sportler in den verschiedenen Mannschaften, die sich zeigen und auch jederzeit für einen Etappensieg gut sind. Ein deutscher Fahrer der sich auch in der Gesamtwertung gut platzieren kann ist allerdings – noch – nicht in Sicht.

Aber wenn diese leidige Dopingvergangenheit einmal komplett vergessen sein wird, dann wird es mit Sicherheit auch wieder mehr deutsche Sponsoren geben, die sich im Radsport engagieren. Und damit vielleicht auch wieder einmal ein oder mehrere rein deutsche Spitzen-Teams, denn Bora-Argon 18 hat zwar einen deutschen Hauptsponsor, allerdings gehören nur 4 einheimische Fahrer zum Tour-Team. Heute ist im übrigen Ruhetag bei der Tour, bevor es morgen in die Pyrenäen geht.

Und da dürften sich dann die Favoriten beharken…

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