Mein neuer Job: LKW-Treiber

Gestern morgen um 5 Uhr…

Ich schlurfe noch etwas schlaftrunken in die Küche, schalte den Kaffeeautomaten ein und stelle eine Tasse darunter. Und während der Kaffee in die Tasse dröppelt bemerke ich mit einem Blick aus dem Küchenfenster, das die bevorstehende Fahrt wohl etwas länger dauern dürfte. Denn es begann zu schneien und Schneefall in und um Köln bedeutet fast automatisch noch mehr Verkehrschaos als an “normalen” Tagen.

Also habe ich kurzfristig beschlossen, das Käffchen etwas schneller zu schlürfen und auch die morgendliche Lektüre des Feedreaders nur auf das nötigste zu beschränken. Schnell noch unter die Dusche, notgewassert, Klamotten an und um zwanzig vor sechs ins Auto gesprungen, um wenigstens dem Hauptverkehr zu entgehen. Schon einen knappen Kilometer später, an der Auffahrt zum Flughafenzubringer sah ich in der Kurve plötzlich ein paar Scheinwerfer auf mich zukommen.

Allerdings war es dann doch entgegen meiner ersten Vermutung kein Geisterfahrer, sondern da hatte sich wohl jemand etwas zu schnell in die Kurve geschmissen, war zu seinem/ihrem Glück nur in eine Wiese geschliddert und versuchte nun wieder, auf die Fahrbahn zu gelangen. Weiter ging es auf der A59 nur im Schritttempo, da alles was vor mir fuhr wohl nur den Ackergang eingelegt oder eventuell noch auf Sommerreifen unterwegs war.

3 Kilometer weiter, am Übergang auf die A3 in Richtung Oberhausen, ging es dann auch nicht entscheidend schneller weiter. Und offensichtlich hatten wohl noch viele andere genau wie ich beschlossen, angesichts der Witterungsverhältnisse etwas früher zu fahren. Ich habe mich dann quasi von rechts auf die linke der 3 Spuren durchgekämpft, eigentlich auch ohne Probleme. Denn es war zwar noch nicht gestreut bzw. geräumt, aber wirklich glatt war es auch nicht. Man konnte jedenfalls einwandfrei fahren, ohne sich oder gar andere zu gefährden.

Schon auf der dreispurigen Fahrbahn hatte ich, zumindest so weit ich es überblicken konnte, nur LKW vor mir. Obwohl die Herren dort eigentlich überhaupt nichts zu suchen hatten, denn wenn ich es richtig im Köpfchen habe, dürfen LKW über 3,5 Tonnen sowie auch Kraftfahrzeuge mit Anhänger die linke Spur einer mehr als zweispurigen Autobahn nur benutzen, wenn sie sich dort zum Zwecke des Linksabbiegens einordnen. Den genauen Text könnt ihr ja mal googeln, allerdings kann man auf der A3 auf dem Kölner Autobahnring nur abbiegen, wenn man die Mittelleitplanke durchbricht.

Ein kurzes Stück später geht rechts die A4 ab und ab dort wird die A3 dann vierspurig. Und als ich mich gerade dort hinüber einordnen und verabschieden will, ziehen vor mir mindestens 15 bis 20 LKW auch nach ganz links. In einer Linkskurve vor der Abfahrt Köln-Mülheim konnte ich sehen, das ich geschätzte 300-400 Tonnen vor mir her trieb und als die Karawane kurz vor dem Autobahnkreuz Leverkusen dann wieder eine Spur nach rechts herüber zog, kam ich dann auch etwas schneller voran.

Als ich die Herren Berufskraftfahrer dann einen nach dem einen anderen überholte stellte ich mit Blick auf die diversen Nummernschilder fest, das bis auf einen Lenker aus Holland ausschließlich Osteuropa vertreten war. Polen, Lettland, Ukraine und Slowakei, wahrscheinlich dengeln die Herren daheim auch mit ihren fahrenden Schrankwänden auch über Radwege, Hauptsache durch. Keine Ahnung was so etwas kostet, aber die Kölner Autobahnpolizei hätte wahrscheinlich gestern richtig Kasse machen können.

Wenn sie die Karawane gestoppt bekommen hätten…

Nur so ganz kurz bemerkt

reisszwecken

Jeder weiß ja, das LKW-Fahrer heutzutage eher ein Beruf für Idealisten ist.

Ständiger Zeitdruck, überfüllte Rastplätze, Staus und dann auch noch das Billigpersonal aus Südost-Asien, das hier vollends die Preise kaputt macht. Ich fahre zwar auch relativ viel, doch mit den jährlichen Kilometerleistungen der Trucker kann ich bei weitem nicht mithalten. Mir reichen auch die gefahrenen Kilometer im PKW, ständig nur eine Geschwindigkeit fahren wäre nichts für mich, zu ermüdend.

Doch bei so manchem LKW-Fahrer denke ich so insgeheim, das sicherlich ein Schutzengel auf dem Beifahrersitz hockt. Denn anders ist es wohl nicht zu erklären, das manche quasi den Windschatten des Vordermanns ausnutzen und höchstens 5 Meter Abstand abhalten. Das ist für mich schon hochgradig lebensmüde, denn wenn eben dieser Vordermann dann mal mehr oder weniger gezwungen den Anker werfen muss, dann hast du doch dahinter keine Chance mehr einen Auffahrunfall zu vermeiden.

Alleine gestern habe ich wieder mindestens 3 Spezialisten gesehen, die so hochgradig suizidgefährdet über die A3 rauschten. Vor allem musst du dich ja in einer Gefahrensituation einzig und alleine auf deine Reaktion und natürlich auf deine Bremsen verlassen, denn wenn du mit so einem knappen Abstand hinter einer undurchsichtigen Schrankwand her fährst, dann bist du schneller tot als lebendig.

Vielleicht haben die Jungs hinterm Lenkrad auch geheime Superkräfte, da muss ich mich mal bei Maik schlau machen, der kennt sich da sicher aus.

Ist das eine Quälerei

autos

Ich fahre eigentlich sehr gerne Auto, doch hier aus Köln heraus zu kommen ist im Moment eine ziemliche Quälerei.

Egal wann du los fährst, du stehst mit Sicherheit schnell im Stau. So ziemlich jede Autobahn ist im Moment mit Baustellen buchstäblich übersät und gerade in Richtung Düsseldorf und Wuppertal ist mächtig Geduld gefragt. Die A3 ist quasi von Köln bis Ratingen über eine Strecke von knapp 50 Kilometer eine einzige Baustelle, wenn man mal von den 8-10 Kilometern “freier” Fahrt zwischen den Bauabschnitten absieht.

Die A1 ist von Leverkusen bis fast nach Wuppertal nur Baustelle, auch eine Strecke von gut 35 Kilometern. Und wenn in nächster Zukunft tatsächlich noch die Rheinbrücke in Leverkusen erneuert werden, muss ich wahrscheinlich mit dem Hubschrauber fliegen, um Termine noch einigermaßen pünktlich wahrzunehmen. Doch der große Kracher folgt erst demnächst…

Dann wird nämlich die Autobahnbrücke auf der A4 in Untereschbach abgerissen. Diese Baustelle ist für 2,5 Jahre veranschlagt und unglücklicherweise ist genau dort der Sitz unserer Firma. Der Verkehr wird über die umliegenden Dörfer geleitet und wenn man jetzt schon jeden Morgen und Abend mindestens 5 Kilometer im Stau steht, dann kann man sich ausmalen wie das dort in Zukunft aussieht. Ich habe Rudi meinem Chef schon gesagt, das Bürozeiten dann von mir auf das geringste beschränkt werden.

Nicht eingerechnet sind die umliegenden “kleineren” Autobahnen der näheren Umgebung, auch dort Baustellen über Baustellen. Mir ist klar das irgendwann einmal saniert oder wie im Fall der A3 erweitert werden muss, nur warum muss das scheinbar alles zeitgleich passieren? Ne, Auto fahren macht hier im Moment wirklich keinen Spaß.