Monat: Juni 2021

Das wars dann für „Die Mannschaft“

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Ich kann mich nicht erinnern, jemals so emotionslos ein großes Fußballturnier wie die diesjährige Europameisterschaft verfolgt zu haben.

Wie ich schon in einigen vorherigen Beiträgen bemerkt habe, war ich auch angesichts der starken Vorrundengruppe nicht davon überzeugt, dass unsere Bundeskicker diese überhaupt überstehen werden. Nun, zumindest das wurde dann mit viel Dusel doch geschafft, doch im gestrigen Achtelfinale gegen England war dann doch vorzeitig Endstation im Turnier.

„Die Mannschaft“ hat mich wirklich in keinem einzigen ihrer vier Spiele wirklich überzeugt, selbst der Sieg gegen den noch amtierenden Europameister konnte vielleicht kurzzeitig blenden, das folgende Spiel gegen Ungarn zeigte dann doch wieder deutliche Schwächen unserer Nationalmannschaft.

Weshalb ich auch vom Ausscheiden unserer Elf nicht wirklich enttäuscht bin, vielmehr hatte ich unseren Kickern nicht viel mehr zugetraut. Und in einem solchen Turnier will der Fan ja auch mal schönen und begeisterungsfähigen Fußball sehen, den „Die Mannschaft“ allerdings – mit Ausnahme im Spiel gegen Portugal – nicht zeigen konnte. Daher hatte sie auch einen Sieg gegen England nicht verdient und ist ebenso verdient ausgeschieden.

Die Experten werden sich jetzt sicherlich noch eine ganze Zeit lang darüber streiten, wer welche Fehler gemacht hat, welche(r) Spieler enttäuscht und ob man Jogi Löw nicht schon früher hätte ablösen sollen. Im Endeffekt muss der Trainer es sowieso ausbaden und einzig und alleine ihm hätte ich einen versöhnlicheren Abschluss seiner Karriere wirklich gegönnt.

Naja, für Deutschland ist die Europameisterschaft vorbei und die Welt wird davon nicht untergehen.

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Deutschland vs. Ungarn: Kritisches zum Regenbogen

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Eigentlich ist ein Regenbogen ja ein schönes Naturereignis.

Als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung sollte – nicht nur nach dem Willen der Politik – die Münchner Allianz-Arena beim heutigen EM-Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlen. Doch einen entsprechenden Antrag lehnte die UEFA – für mich erwartungsgemäß – ab. Seit Tagen wird dieses Thema in den Medien und nicht zuletzt im Social Network sehr kontrovers behandelt. Und auch ich muss mich outen, denn mittlerweile wird mir das „Thema Regenbogen“ zu omnipräsent.

Die Regenbogenfahne gilt als Symbol für die Akzeptanz und Gleichberechtigung von lesbischen und schwulen Menschen und die Beleuchtung des Münchner Stadions sollte eine Protest-Botschaft senden, die auf einen Beschluss des ungarischen Parlaments und ihres Ministerpräsidenten Viktor Orban abzielt. Erlassen wurde dort vor kurzem ein Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt.

Natürlich ist das ein wichtiges Thema und generell bin ich ein Mensch, der sich nicht gerne etwas verbieten lässt und auch für seine Überzeugungen eintritt. Doch wenn man jetzt den Sport – egal ob aktuell bei der Fußball-EM oder einer anderen Großveranstaltung – politisiert, dann tut man sich damit in meinen Augen keinen Gefallen. Mit Sicherheit hat jedes Mitglied unseres deutschen Teams und auch der meisten anderen Teams seine persönliche Meinung zu diesem oder einem anderen Thema. Schließlich leben sie nicht in einem Kloster.

Aber der Sport sollte sich meiner Meinung nach auf sich konzentrieren. Es gab Zeiten, da wurden 1968 amerikanischen Sprintern ihre errungenen Olympiamedaillen aberkannt, weil sie während der Siegerehrung gegen Rassendiskriminierung protestierten. Hätte man den heutigen Protest seitens der UEFA zugelassen, müsste man angesichts der vielen geknechteten und verstorbenen Bauarbeiter konsequenterweise während der nächsten Fußball-WM in Quatar Särge an die Flutlichtmasten hängen.

Wo will man da einen Unterschied sehen? Welche Aktionen dürfte man zulassen und welche müsste man verbieten? Ich befürworte einen Protest gegen die ungarische Regierung, keine Frage. Aber Politik ist Politik und Sport ist Sport! Die europäischen Politiker sollten sich Gedanken darüber machen, wie man einem Viktor Orban und dessen Regierung deutlich machen kann, dass sie sich im 21. Jahrhundert befinden und nicht im Mittelalter. Da wäre ein spürbares Zeichen, wichtiger als ein Stadion in Regenbogenfarben.

Es ist sicherlich traurig, dass Menschenrechte, Vielfalt und Toleranz selbst im Jahr 2021 in vielen Gegenden der Welt keine Selbstverständlichkeit sind. Vielleicht werde ich es ja noch erleben, dass solche oder andere Proteste irgendwann einmal nicht mehr notwendig sind. Und bei Sportveranstaltungen auch ausschließlich über Sport gesprochen wird. Schön wärs…