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Karnevalszüge ja oder nein – meine Meinung

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Am Wochenende wurde der erste Kölner Karnevalszug in Zollstock abgesagt.

Für die Verantwortlichen und auch die Teilnehmer sicher ein bitterer, wenn auch nachvollziehbarer Schritt. Denn eine Planung seitens der Organisation ist leider angesichts der noch vorherrschenden Lage nahezu unmöglich. Und auch die Teilnehmer brauchen eine gewisse Vorlaufzeit, denn so eine Teilnahme wird ja nicht von heute auf morgen geplant und realisiert.

Ich bin selbst noch in diesem Jahr auf einem Wagen im Porzer Karnevalszug mitgefahren und kann die Enttäuschung über diese Entscheidung nachvollziehen aber ich denke, das die Zollstocker alles richtig gemacht haben. Auch wenn ich in den sozialen Medien Kommentare gelesen habe, die ihr Unverständnis über diese Entscheidung deutlich machten, vor allem weil diese Absage für einige viel zu früh kam. Doch eine spätere Absage, wenn die Vereine und Gesellschaften schon weit mit ihren Vorbereitungen gewesen wären, könnte man da in meinen Augen schon eher als Fehler bezeichnen.

Ich persönlich bin davon überzeugt, das im Jahr 2021 kein einziger Karnevalszug stattfinden wird und auch nicht stattfinden sollte. Wer will angesichts der Menschenansammlungen für diese Veranstaltungen die Verantwortung übernehmen? Vor allem wenn man bedenkt, das alleine der Kölner Rosenmontagszug teilweise über eine Million Zuschauer anzieht. Da dürfte wohl oder übel kein Sicherheitskonzept greifen und wer einmal Karneval in Köln erlebt hat dürfte sich nur sehr schwer vorstellen können, das nach den Umzügen korrekt mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz in den Veedelskneipen weiter gefeiert wird.

Für die allermeisten der vermeintlichen Teilnehmer der Umzüge dürfte es bestimmt nicht der letzte Karnevalszug sein. 2022 wird hoffentlich wieder alles in normalen Bahnen verlaufen, da werden auch sicherlich die organisierten „Hardcore-Karnevalisten“ wenn auch schweren Herzens mal ein Jahr ohne den gewohnten Karnevalstrubel verschmerzen können. Große Sitzungen dürfte es in der kommenden Session wahrscheinlich ebenso wenig geben, was natürlich für Musikgruppen, Redner und Tanzcorps fatal ist. Denn kein Auftritt, kein Geld!

Aber wie man hört sind hier schon einige Veranstaltungen in kleinerem Rahmen geplant, so das die finanziellen Ausfälle für die Künstler nicht zu gravierend werden. Karneval 2020/21 wird und muss anders werden, auch wenn das gerade für kleinere Vereine und Familiengesellschaften, die mit einer oder zwei Veranstaltungen ihr Fortbestehen mitfinanzieren, sicherlich sehr schwer wird. Aber generell wird man Rest-Deutschland nicht vermitteln können, weshalb in den Karnevalshochburgen wie hier in Köln der Bär los ist, während im Rest der Republik zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich immer noch Abstand und Maskenschutz gepredigt wird.

Meine Meinung.

Karneval ist vorbei, das Leben geht weiter…

Karneval ist vorbei und ich bin wieder unter den Lebenden. Natürlich gehören auch die Karnevalsumzüge fest zum Programm und außer dem Kölner Rosenmontagszug und dem Sonntagszug in Porz steht auch der Karnevalszug in Wahn, einem Nachbar-Stadtteil, fest auf dem Terminplan. 20-30 Personen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis gehören zu unserer Gruppe und natürlich ist auch die Verpflegung gesichert. Es macht eigentlich jedes Jahr großen Spaß, in diesem Jahr sind mir in Wahn allerdings einige Dinge sauer aufgestoßen.

Erst einmal ist da diese immer größer werdende Meute noch minderjähriger Jugendlicher, denen der Karnevalszug scheinbar nur als Mittel zum Zweck dient, sich mal so richtig die Kante zu geben. Schon lange vor Beginn des Umzugs wird da vorrangig hochprozentiges gebechert und viele der Schluckspechte bekommen den Karnevalszug überhaupt nicht mit, weil sie schon vorher hochgradig besoffen sind und teilweise noch nicht einmal mehr stehen können.

Ich bin jetzt nicht gerade der Moralapostel, allerdings frage ich mich manchmal schon, ob manche Eltern schon einmal das Wort Aufsichtspflicht gehört haben. Am Samstag kam es noch dazu zu mehreren Einsätzen der Polizei, die in Hundertschaften dort vertreten war. Ganze Gruppen von Jugendlichen wollten scheinbar mal ihren Mut gegen die Ordnungskräfte ausprobieren, was allerdings einigen gesundheitlich nicht bekommen sein dürfte.

Es war teilweise wirklich erschreckend was da ablief und angesichts der in großen Gruppen vertretenen Polizisten kam man sich eher vor als wäre man bei einer Groß-Demo als bei einem Karnevalszug. Scheinbar gehen die Ansichten wie man Karneval feiert zwischen den Generationen etwas auseinander, allerdings ist mir die Art wie wir feiern doch deutlich lieber. Ich bin sicher kein Mensch der ins Bierglas spuckt, allerdings muss ich auch nicht wahllos alles in mich hinein laufen lassen, nur um eventuell in Feierlaune zu kommen. Das gilt im übrigen für jeden aus unserer Gruppe.

Was mir ebenfalls auffiel war die Musikauswahl sehr vieler, überwiegend jugendlicher Zugteilnehmer. Hörte man früher fast ausschließlich kölsches Liedgut, welches ja eigentlich in ausreichender Anzahl zur Auswahl steht, so gibt es bei der jüngeren Generation scheinbar nur ein Kriterium: Laut, sehr laut. Allerdings kam man sich in diesem Jahr eher vor, als sei man bei der Loveparade. Mit Karneval hatte das allerdings überhaupt nichts zu tun, auch nicht im entferntesten Sinne.

Da bekam man fast einen Gehörschaden, wenn die Wagen an einem vorbeizogen und die Protagonisten auf dem Wagen dürften wohl nach dem 3-stündigen Umzug heute noch stocktaub sein oder zumindest noch ein Pfeifen in den Horchlöffeln haben. Wenn diese Entwicklung dort so weiter gehen sollte, dann werde ich mich zukünftig am Karnevalssamstag anderweitig beschäftigen. Auf diese Art Karneval habe ich jedenfalls keinen Bock mehr.