Ärzte

Ägyptische Hieroglyphen

lupeManchmal hilft nur raten…

Eine undefinierbare Handschrift kann ein ernst zu nehmendes Problem darstellen. In der Grundschule gab es ja bei uns noch Schönschrift als eigenes Fach. Dürfte bei mir auch geholfen haben, jedenfalls hat sich bis heute noch niemand über meine Handschrift beklagt. Allerdings scheint bei einigen mit zunehmendem Alter auch das Schriftbild eklatant zu altern. Denn was ich da manchmal beruflich so vorgelegt bekomme, das erinnert dann nicht selten an ägyptische Hieroglyphen. Das hat dann auch nichts mehr mit lesen zu tun, sondern eher mit raten.

Bei Ärzten und Apothekern, aber auch bei manchem Lehrer scheint es ja schon zum guten Ton zu gehören, unlesbare Satz- oder Wortfetzen dahin zu schmieren. Da wundere ich mich manchmal wirklich, das man daraus überhaupt noch einen Zusammenhang erkennen kann. Ganz schlimm ist es, wenn dann brillant platzierte Rechtschreibfehler das lesen noch zusätzlich erschweren.

Ich kenne zwar nicht die Anforderungen die an Apotheker gerichtet werden, aber in meinen Augen sind das doch die Künstler der Nation. Wie sie mit sicherem Blick und ohne lange herum zu raten zielsicher das verschriebene Medikament aus dem Regal fischen, dass nötigt mir höchsten Respekt ab. Ich hätte gestern wahrscheinlich alles auf dem Rezept gelesen, nur nicht das was der Weißkittel hinter der Theke der Not-Apotheke mir dann ausgehändigt hat.

Aber vielleicht hat er ja auch wirklich nur geraten und der Onkel Doktor in der Notfallklinik hat mir eine ganz andere Salbe für die Schwellung am Handgelenk verschrieben. Spätestens in ein bis zwei Tagen werde ich es wohl wissen. Wenn mir bis dann nicht die Pfote abgefault ist, dann war es wohl das richtige. Und dann wird der kleine eingesprungene Rittberger, den ich gestern unfreiwillig und stocknüchtern eingelegt habe, wohl schnell wieder Geschichte sein.

Rentner und Krankenkassen

arztkofferMan könnte behaupten, unseren Rentnern ginge es gut.

Immerhin verspricht die Bundesregierung Rentenerhöhungen von fast fünf Prozent bis zum Jahr 2016. Im nächsten Jahr sollen die Renten erst einmal um 1,57% (West) und 1,71% (Ost) steigen. Und zum 1. Juli 2016 winkt dann ein richtig fettes Plus: Sage und schreibe 4,51% gibts im Westen, im Osten sogar 4,62% Rentenerhöhung. Liest sich gut und wenn es dazu käme, es wäre die größte Rentenerhöhung seit 1991. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre…

Denn versprochen wurde unseren Ruheständlern schon viel, gehalten wurde aber das wenigste. Wobei viele eine Rentenerhöhung dringend benötigen würden. Es ist schon traurig genug, dass eine Generation die nach dem Krieg alles wieder in Gang gebracht und geschuftet hat, heute mit 1000 Euro Rente auskommen muss. Denn nicht jeder bekommt eine fette Rente und kann davon gut leben.

Viele haben eben nicht so gut verdient, einen Stall voller Kinder und da musste auch damals schon jeder Pfennig zweimal umgedreht werden. Und sparen war nur möglich, wenn man auf etwas anderes verzichtet hat. Der einzig wirkliche Vorteil der heutigen Rentner ist, dass sie noch Rente bekommen. schon in absehbarer Zeit wird wahrscheinlich so wenig in den Kassen sein, dass selbst das nicht gewährleistet werden kann.

„Absicherung fürs Alter“ heißt die Zauberformel, mit der sich die Generation der heute 20-30-jährigen befassen muss, Wohl oder Übel. Aber ich will hier nicht den Rentenexperten geben, eigentlich beschäftigt mich etwas anderes. In unserem näheren Umfeld gibt es auch einen solchen Fall, 48 Jahre durchgehend fast ohne Arbeitslosigkeit gearbeitet und bekommt eine Rente von 1065 Euro.

Sie ist alleinstehend, kein Kind, kein Rind. Noch dazu benötigt sie auf Grund einer schweren Erkrankung Medikamente, die nicht ganz billig sind. Bisher trug diese Kosten bis auf eine relativ moderate Zuzahlung ihre Krankenkasse, doch seit etwa 2 Monaten verweigert die Kasse die Zahlung. Sie beruft sich auf ein billigeres Präparat, dass die Bekannte aber – nach einer medizinisch überwachten Testphase – nicht verträgt und das auch nur geringfügig billiger ist.

Genau genommen ist das alternative Medikament 6 Euro und 65 Cent preiswerter. Aufgerundet 344 Euro soll das „Original-Medikament“ kosten und seit 2 Monaten muss die Bekannte diese Kosten selbst übernehmen. Bei 1065 Euro Rente sicherlich schon fast ein unmögliches Unterfangen, ohne den Gang zum Sozialamt antreten zu müssen. Da fragt sich der geneigte Beitragszahler natürlich, ob dies mit rechten Dingen zugeht.

Müssen Krankenkassen jetzt mit aller Gewalt Geld sparen oder geht es vielleicht nur darum den eigenen Profit zu mehren, in dem man quasi dem Staat einen Sozialfall mehr in die Statistik drückt. Oder war da wieder einmal nur ein übereifriger Sachbearbeiter am Werk, der einer eingeschüchterten Rentnerin mal zeigen wollte, wozu er fähig ist?

Traurig genug ist eigentlich schon, dass Ärzte selbst dringend benötigte Medikamente nicht mehr verschreiben dürfen, weil deren Kontingent für ein Quartal aufgebraucht ist. Da fragt man sich dann schon was wichtiger ist: Die Gesundheit oder der Profit der Krankenkassen? Es krankt in unserem Gesundheitssystem und das ziemlich heftig.

Vielleicht sollte man in Deutschland mehr Gefängnisse bauen. Und wer dann das Rentenalter erreicht braucht nur einen kleinen Einbruch zu begehen, um dann verknackt und eingelocht zu werden. Und da im Knast, da kann man dann in Ruhe seine Wehwehchen behandeln lassen…