Currywurst

Currywurst und Tütensuppen

essenIm Moment bin ich ja Strohwitwer.

Und wir Kronen der Schöpfung neigen jetzt nicht unbedingt dazu, in unserer Freizeit auch noch in der Küche herum zu wirbeln. Es mag Ausnahmen geben, aber irgendetwas müssen chronisch unterbeschäftigte ja auch zu tun haben. Vorwiegend Rentner fühlen sich deshalb oft dazu berufen, aus Mangel an Arbeit auch mal den Kochlöffel zu schwingen.

Kochen nennt man landläufig den Vorgang, wenn der Mann hungrig von der Arbeit kommt und fragt was es denn zu essen gibt. Natürlich hat Frau nicht immer alles sofort fertig, also muss Frau zwangsläufig kochen. Zumindest in den meisten Fällen spielt es sich so oder so ähnlich ab, es sei denn man ernährt sich nur von Dosenfutter, dann muss man das „Essen“ nur aufwärmen.

Kochen kann man eigentlich alles was man so in die Finger bekommt. Vorsichtig wäre ich allerdings bei Tütensuppen, denn dazu muss man Wasser erhitzen und dies dauert oft ziemlich lange. Die bessere Hälfte wendet dazu allerdings einen Trick an, sie erhitzt einfach vier Portionen Wasser auf 25°C und schüttet sie dann zusammen. Dann hat man die erforderlichen 100°C schneller und braucht nur noch das Suppengrün dazu zu geben. Aber Vorsicht: Bei dieser Methode muss man die Herdplatte zwingend eine Stufe niedriger stellen, da bei 100°C die Suppe sonst verdampft!

Gut, wir Kronen der Schöpfung müssen uns diesen Tipp nicht zwingend merken, denn das Kochen ist bekanntermaßen Aufgabe der Frau. Aber auch hier gibt es gelegentlich Unterschiede. Im Normalfall steht daheim die Frau am Herd und hält sich dort auch oft für einige Zeit auf. Der Vorteil für uns Männer ist, dass sie uns während des Kochens keine überflüssigen Fragen stellen oder gar mit anderen Haushaltsaufgaben bedenken können.

Doch wenn es um professionelles Kochen geht ist der Mann der eindeutige Chef. Deshalb sind auch die meisten Sterne-Köche Männer und auch in großen Hotels sieht man kaum eine Frau als Chef der Küche. Frauen sind mindestens eine Etage weiter oben beschäftigt, mit Betten machen und Zimmer aufräumen. Doch vergessen wir das professionelle Kochen und widmen uns wieder dem semi-professionellen Heim-Kochen.

Ein Mann sollte auf jeden Fall vermeiden dass 2 Frauen auf einmal seine Küche bevölkern, weil sie eventuell mal neue Rezepte ausprobieren möchten. Denn bei dieser Form des Kochens ist Gefahr im Verzug denn es bietet sich geradezu an, sich mit einer Geschlechtsgenossin zu unterhalten. Und ob danach wirklich noch weiter gekocht wird ist sehr umstritten. Ich empfehle dringend schon bei der Ankündigung dass eine Freundin mitkochen möchte, gleich umgehend das Haus zu verlassen und sich an der nächstgelegenen Currywurstbude durchzufuttern.

Gut, unsere Küche verwaist gerade etwas, denn das Weibchen ist noch bis einschließlich Donnerstag im Urlaub in der Türkei. Weshalb ich heute wohl mal wieder in der Stammkneipe mampfen werde. Und die restlichen paar Tage werde ich wohl auch noch überleben. Irgendwie…

Arpad der Zigeuner

daumenSachen gibts…

…die glaubt dir kein Mensch. Trotzdem erzähle ich euch mal, was mir am Samstag passiert ist. Da war ich im nämlich wegen der monatlich anstehenden persönlichen Belustigung mal wieder mit der besseren Hälfte unterwegs. Nachmittags erstmal zum diesjährigen Ortspokalschießen unserer Schützenbruderschaft, abends dann noch ein etwas ausgiebiger Zug um den Block. Zu späterer Stunde regte ich dann an, noch vor dem Verlust der Muttersprache etwas herzhaftes zu uns zu nehmen. Da keine Einwände geduldet wurden kamen, steuerten wir also schnurstracks die nächste Fritten-Ranch an, um den Gelüsten zu frönen und den Darm zu füllen.

Also mal ruckizucki zwei Asi-Schalen bei Manni bestellt. Manni heißt eigentlich gar nicht Manni. In wirklichkeit heißt Manni ja… Tja, wie heißt Manni eigentlich wirklich? Ist ja auch egal, auf jeden Fall kommt er aus Polen und da heißt man normalerweise nicht Manni. Naja, als ich mir wenig später das erste fritierte Kartoffelstäbchen zu Munde führen will, titscht mich so ein Typ von der Seite an. Mit flüchtigem Kennerblick nehme ich zur Kenntnis, dass er eher dem Stamm der Sinti oder Roma angehört. So ein Typ wie Arpad – naja nicht ganz so, aber in etwa… Man könnte ihm in etwa mit einem zu klein geratenem – dafür aber gut gemästeten Hausschwein – vergleichen.

Unverholen streicht er über den Ärmel meiner vor kurzem neu erworbenen Lederjacke, schnalzt mit der Zunge und raunt mir zu: „Schöne Jacke, Chef.“ Da ich mich ja nur in den seltensten Fällen bei der Nahrungsaufnahme unterbrechen lasse, stopfe ich mir ein Stück der granatenmässig guten Currywurst in den Mund, kaue sie gut durch, schlucke sie genießerisch herunter und erwidere beiläufig – allerdings ohne ihn anzusehen: „Mhhhh.“ Was einem „Ja“ in etwa gleich kommt.

Da Arpad – wir nennen ihn jetzt einfach mal so – wohl nicht mit so einer detaillierten Antwort gerechnet hat, schob er gleich ein „Verkaufen du die Jacke, Chef?“ hinterher. Mein erster erstaunter Blick ging zur besseren Hälfte, ob ich das auch richtig verstanden hatte. Ihre abfällige Handbewegung deutete ich indes so, das ich zwar richtig gehört hatte, mich aber mit Arpad nicht weiter einlassen solle. Allerdings war ich da anderer Meinung.

Nachdem ich ihn von oben bis unten gemustert hatte, kam ich erstmal zu dem Ergebnis, dass er die Jacke unmöglich für sich haben wollte. Dafür hätte er binnen 2 Sekunden 15 cm wachsen und 35 mindestens Kilo abnehmen müssen. Also fragte ich vorsichtshalber mal nach: „Für dich, Chef?“ Er lachte mich an und stieß ein „Klar für mich!“ hervor. Dann konnten die Spiele beginnen…

Als erstes pries ich im wie ein persischer Teppichverkäufer dieses wunderbar weiche Leder und die exzellente Verarbeitung der Kuhhaut an. Und erwähnte auch, dass das Stück gegerbtes Fell nicht billig war. An seinen strahlenden Augen sah ich, das er weiter Blut geleckt hatte. Da keine Barvorräte oder sonstigen Papiere in den Innentaschen deponiert waren, zog ich kurzerhand das Jäckchen aus, hielt es ihm unter die Nase und sagte: „Probier sie an.“ Was mir erstmal einen Knuff in die Rippen und ein unfreundlich hervorgebrachtes „Hast du sie nicht mehr alle?“ von der besseren Hälfte einbrachte. Naja, Frauen haben eben kein Verhandlungsgeschick…

Unterdessen schälte Arpad sich in die Kuhhaut. An den Schultern saß sie gut aber für meinen Geschmack war sie etwas lang. Sie reichte ihm nämlich fast bis in die Kniekehlen. Doch das größte Problem war in meinen Augen, dass der Abstand der Knöpfe zu den Knopflöchern etwa 6-8 cm zu groß war. Er bekam sie nämlich nicht zu. Ich sah meinen Handel schon den Bach runtergehen, als er mich zu meiner Verblüffung fragte: „Was willst du dafür, Chef?“

Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Natürlich wollte ich ihn auch nicht erschrecken und so antwortete ich: „Was gibst du?“ Und nuckelte währenddessen weiter an meiner Currywurst. Er packte mit der rechten Hand in die Hosentasche, kramte flink ein paar Scheinchen daraus hervor und hielt mir zwei Grüne entgegen. „Zweihundert, einverstanden?“ Ungläubig blickte ich seitwerts zur besseren Hälfte, was diese wiederum veranlasste, ihren Zeigefinger zur Stirn zu führen. Ich erwähnte ja schon, dass Frauen keine Nerven für Geschäfte haben.

Ich schaute zu Arpad, der mit den beiden Scheinen vor mir wedelte. Dann setzte ich meine Asi-Schale ab, nahm ihm die Scheinchen aus der Hand und während wir uns die Hand gaben, trällerte ich ihm ein fröhliches „abgemacht“ entgegen. Dann wendete ich mich wieder meinem Kraftfutter zu, nicht ohne vorher die 200 Eurönchen in der Jeans zu verstauen.

Nachdem wir aufgegessen und ich mich bei Arpad mit Handschlag verabschiedet hatte, gingen wir in Richtung Taxistand. Auf dem Weg dorthin bemerkte ich dann beiläufig, dass ich wohl meinen Schwager demnächst nochmal anrufen müsste. Der kann mir dann mal wieder eine neue Lederjacke von der Ledermesse aus Italien mitbringen. Dort bekommt er die Ausstellungsstücke für 30-40% des Verkaufspreises. Für das verkaufte Stück Kuhhaut habe ich übrigens 80 Euro bezahlt.

Aber nicht, das mich jetzt einer bei Arpad anschwärzt…