England

Das wars dann für „Die Mannschaft“

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Ich kann mich nicht erinnern, jemals so emotionslos ein großes Fußballturnier wie die diesjährige Europameisterschaft verfolgt zu haben.

Wie ich schon in einigen vorherigen Beiträgen bemerkt habe, war ich auch angesichts der starken Vorrundengruppe nicht davon überzeugt, dass unsere Bundeskicker diese überhaupt überstehen werden. Nun, zumindest das wurde dann mit viel Dusel doch geschafft, doch im gestrigen Achtelfinale gegen England war dann doch vorzeitig Endstation im Turnier.

„Die Mannschaft“ hat mich wirklich in keinem einzigen ihrer vier Spiele wirklich überzeugt, selbst der Sieg gegen den noch amtierenden Europameister konnte vielleicht kurzzeitig blenden, das folgende Spiel gegen Ungarn zeigte dann doch wieder deutliche Schwächen unserer Nationalmannschaft.

Weshalb ich auch vom Ausscheiden unserer Elf nicht wirklich enttäuscht bin, vielmehr hatte ich unseren Kickern nicht viel mehr zugetraut. Und in einem solchen Turnier will der Fan ja auch mal schönen und begeisterungsfähigen Fußball sehen, den „Die Mannschaft“ allerdings – mit Ausnahme im Spiel gegen Portugal – nicht zeigen konnte. Daher hatte sie auch einen Sieg gegen England nicht verdient und ist ebenso verdient ausgeschieden.

Die Experten werden sich jetzt sicherlich noch eine ganze Zeit lang darüber streiten, wer welche Fehler gemacht hat, welche(r) Spieler enttäuscht und ob man Jogi Löw nicht schon früher hätte ablösen sollen. Im Endeffekt muss der Trainer es sowieso ausbaden und einzig und alleine ihm hätte ich einen versöhnlicheren Abschluss seiner Karriere wirklich gegönnt.

Naja, für Deutschland ist die Europameisterschaft vorbei und die Welt wird davon nicht untergehen.

Die spinnen, die Briten

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Mal ehrlich, das Wort „Brexit“ erzeugt bei mir im Moment nur noch Würgereiz und Unverständnis.

Entschieden wurde vom britischen Volk, das man mit der Europäischen Union nichts mehr zu tun haben möchte. Man wollte selbst für sich verantwortlich sein und keine Entscheidungen aus Brüssel mehr akzeptieren. Hochachtung, auch wenn die Entscheidung bei der Abstimmung nur knapp ausfiel, soviel Mut muss man erst mal aufbringen, sich aus der wirtschaftlichen Sicherheit auf unbestimmte Zeit zu verabschieden. Aber…

Die britische Politik scheint offensichtlich mit dieser Entscheidung des Volkes so ihre Schwierigkeiten zu haben. Anders scheint es nicht erklärbar, das man immer noch nicht zu einer Entscheidung gelangt ist, wie der Brexit denn jetzt durchzuziehen ist. Sicherlich sind da auch parteipolitische Gründe anzuführen, vor allem wenn man beobachtet, wie es da im britischen Unterhaus in den vergangenen Monaten so zuging. Ich habe mir einige dieser Debatten live angesehen, Chaos ist wohl noch eine harmlose Umschreibung von dem, was da so vorging.

Man hat wirklich den Eindruck, das die Insulaner überhaupt keinen wirklichen Plan haben, wie der Ausstieg aus der EU denn nun am besten zu verwirklichen ist. Anders ist es wohl auch nicht zu erklären, das man nun einen Aufschub erwirken möchte, um den Brexit in meinen Augen jetzt noch weiter in die Länge zu ziehen. Ob sich die Verantwortlichen der europäischen Partner dazu erweichen lassen, das werden die nächsten Tage zeigen. Vor allem wenn man bedenkt, das nicht wirklich neue Vorschläge oder Angebote seitens der Briten vorliegen.

Es wird ein Herumgewurschtel bleiben, denn wirklich niemand hat wirklich zu 100% die Gewissheit, das der verhandelte Plan auch wirklich zu 100% funktioniert. Die Ungewissheit oder gar Panik steht den Akteuren auf beiden Seiten buchstäblich ins Gesicht geschrieben und niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Seite denn im Endeffekt im Vorteil oder Nachteil ist oder gar die Arschkarte gezogen hat.

Aber jetzt mal im Ernst, erspart der britischen Premierministerin May diese Bittbesuche in Brüssel, zieht das Ding jetzt irgendwie durch, denn für alles andere hat jetzt wohl auch niemand mehr Verständnis.

Alle Welt lacht über England, aber mit Island ist nicht zu spaßen…

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Den englischen Insulanern ist wohl derzeit kaum zum lachen zumute. Und damit meine ich keineswegs die Brexit-Entscheidung der untergebenen von Queen Elizabeth, denn noch viel mehr lacht zumindest der geneigte Fußballfan über England, die sich im Achtelfinale der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft von den eisigen Jungs aus Island einseifen ließen und deshalb die Heimreise antreten durften.

Für mich persönlich war das eigentlich gar keine so große Überraschung, denn zum einen spielen sowohl England wie auch Island ähnlich kampf- und körperbetont, zum anderen haben die Kicker aus dem hohen Norden nicht nur ihre Qualifikationsgruppe gewonnen, sondern dort auch unter anderem unsere holländischen Nachbarn zweimal besiegt. Und das die Jungs bei ihrer ersten EM-Teilnahme heiß wie Frittenfett sind und keine zusätzliche Motivation benötigen, davon kann und konnte man ausgehen.

Deshalb wäre es für mich auch wenig überraschend, wenn auch Frankreich als isländischer Gegner im Viertelfinale Probleme bekommen würde. Denn so überragend haben auch die französischen Gastgeber bisher nicht gespielt. Und für den Fall dass unsere Bundeskicker es endlich einmal schaffen würden, die erstaunlich starken Italiener aus dem Turnier zu kicken, würde es dann ein Halbfinale Island gegen Deutschland geben.

Geht man nach dem Gesetz der Serie, ist selbst der Titel für Island drin. Denn man erinnere sich, das im Jahr 1992 Dänemark den Titel holte. Eine Mannschaft, deren Spieler quasi aus dem Urlaub zusammen getrommelt werden mussten, weil durch den Ausschluss des damaligen Jugoslawiens ein Platz frei wurde. Und die Urlaubskicker erreichten dann sensationell das Endspiel, wo Deutschland mit 2:0 geschlagen wurde.

12 Jahre später, im Jahr 2004, ging der Titel an Griechenland. Niemand hatte wohl vorher ernsthaft damit gerechnet, dass die Helenen ernsthaft für den Titel in Frage kommen würden. Doch sie setzten sich durch, nicht mit überragendem Fußball, dafür mit Kampfgeist und auch Glück. Und mit so wenig geschossenen Toren wie nie ein Titelträger zuvor, für die Siege im Viertel- und Halbfinale reichte jeweils ein Tor und auch im Endspiel gegen Portugal mit dem damals noch blutjungen #CR7 reichte ein erzielter Treffer.

Und jetzt 2016, 12 Jahre später, vielleicht Island? Drauf wetten würde ich nicht, wenn es aber nach dem Gesetz der Serie geht sind sie auf jeden Fall ein Titelaspirant. Vielleicht würde das die Engländer dann wieder etwas trösten…