Freistaat

Der bayrische Lokalpatriot

berge

Ich bin ja schon mächtig in der Republik herum gekommen und nirgendwo ist der Lokalpatriotismus so hoch wie in Bayern.

Hier ist man stolz aus einem kleinen Dorf zu kommen, Hauptsache das Dorf liegt in Bayern. Wobei der Horizont der Bewohner oft schon am Ortsausgang endet. Der Patriotismus geht sogar so weit, dass man seit Urzeiten Rivalitäten gegen die Nachbardörfer pflegt und sich auch nicht zu schade ist, sein Dorf in einem zünftigem Faustkampf zu „verteidigen.“

Der Lokalpatriot schwärmt von seinem Dorf und seinem Freistaat wie von einer anderen Welt und lässt darauf nichts, aber auch überhaupt nichts kommen. In seinem Dorf geht alles seinen geregelten Gang, von Montag bis Freitag werden die Felder beackert und die Viecher im Stall versorgt, Samstags wird der Bauernhof aufgeräumt und die Straße vor dem Haus gekehrt und Sonntags ist Feiertag.

Da hat der Lokalpatriot Ausgang und besucht die Kirche, um sich mal ein Stündchen ausschlafen zu können. Danach geht er zum Spiel seines Heimatvereins auf den Fußballplatz und freut sich, wenn er sich dort mit den Anhängern der Nachbar-Mannschaft mal verhauen darf. Und danach gehts ins Wirtshaus zum Wunden kühlen.

Jeder gute bayrische Lokalpatriot hat übrigens einen Spitznamen. Der Spitzname gehört einfach dazu und die meisten Lokalpatrioten hören auf den Namen Sepp. Da kann es dann auch schon einmal passieren dass die eigene Frau ihren Sepp zum Essen ruft und plötzlich steht das halbe Dorf vor der Tür. Aber patriotisch wie man nun mal ist wird auch jeder Sepp durchgefüttert, verhungert ist in Bayern noch niemand.

Der Lokalpatriot hat aber auch Eigenheiten. So denkt er grundsätzlich, dass Weiß und Blau die einzigen Farben der Welt wären, weil dies schließlich auch die Landesfarben sind. Er glaubt wirklich, dass das bayrische Bier das beste der Welt wäre obwohl es objektiv gesehen wie… Naja, lassen wir das… Und er wählt die CSU schon aus Gewohnheit, etwas anderes kommt ihm nicht an die Macht.

Der Lokalpatriot übernimmt auch gerne ein Amt im örtlichen Bauernverein um seinen Platz in der dörflichen Hierarchie aufzubessern. Dann nimmt man ihm die Teilnahme an der sonntäglichen Sportplatz-Rauferei auch nicht so übel. Alles was nicht ins Weltbild des bayrischen Lokalpatrioten passt, wird gnadenlos angezeigt. So setzt sich der Lokalpatriot gerne dafür ein, eine Umgehungsstraße um sein Dorf zu bauen und das nur aus dem Grund, um keine Autos durch den Ort fahren zu lassen, die nicht von BMW oder AUDI hergestellt wurden.

Das wichtigste im Leben eines Lokalpatrioten ist allerdings die Landtagswahl, wichtiger noch als die Bundestagswahl. Dann darf er wählen, wobei er jetzt schon weiß dass er eigentlich keine Wahl hat. Denn er ist Lokalpatriot und als solcher wählt er selbstverständlich die CSU. Und wenn er aus dem Wahllokal kommt wird er mit Sicherheit schon von einem anderen Sepp aus dem Dorf mit den Worten empfangen: „Hosts Kreizl auch and richtign Stelln gmocht?“

Nun, die nächsten 3-4 Wochen werde ich mich wieder in diesem eigentümlichen Land aufhalten, mal hier, mal da. Ich will hoffen dass es in den Bergen nicht schneit oder zumindest nur dann wenn ich nicht dort bin. Ich bete dass meine Anwesenheit kein gutes Zeichen für einen der örtlichen Ballspielvereine, den FC Bayern München, ist und dass sie während meines Aufenthalts tüchtig verlieren.

Und ich freue mich auf den Hirschgulasch beim Loisl in Mittenwald, bei dem ich am nächsten Wochenende zu Gast sein werde. Unser Wiedersehen werden wir sicherlich auch wieder zünftig begießen und wie ich diesen Lokalpatrioten kenne, tischt er auch sicherlich wieder etwas selbst gebranntes auf. Aber vor allem freue ich mich auf Ende November, dann gehts nämlich wieder Richtung Heimat…

Die bayrische Biergarten-Tradition

daumenEs gibt auch gute Sachen hier in Bayern.

Die beste Erfindung der süddeutschen Freistaatler sind in meinen Augen die Biergärten. Obwohl ich jetzt gar nicht so genau weiß, ob sie die auch wirklich erfunden haben. Vielleicht waren es auch die Schweizer? Aber das ist auch zweitrangig, denn auf jeden Fall haben die Bayern diese Biergarten-Tradition fast perfektioniert. Da wird in jeder freien Minute, ob während der Arbeitszeit oder nach vollbrachtem Tagewerk, der Biergarten aufgesucht. Meistens sind diese Gärten von ein paar Schatten spendenden hohen Bäumen umrahmt, so dass man nicht in der prallen Sonne sitzen muss. Wo eventuell dann das Biertöpfchen warm wird…

Abends gehts dann meistens mit Kind und Kegel raus und wenn die Kurzen dann ins Bett müssen, werden die Mamas kurzerhand mit dem Nachwuchs nach Hause geschickt und die Männerwelt ist wieder in Ordnung unter sich. Eine sehr löbliche Erfindung… Und dann sitzt wirklich der Handwerker neben dem Doktor und der Pastor neben dem Lagerarbeiter. Auch „Touristen“ wie ich finden dort relativ schnell Anschluß und wenn man Glück hat, kann man sich auch an einer ordentlichen Runde Schafskopf beteiligen. Standesdünkel gibts da nicht, zumindest habe ich das bisher noch nicht beobachtet.

Und erst wenn es dunkel wird, wird so langsam aber sicher der Heimweg angetreten. Heute ist zum Beispiel wieder so ein Tag, da werde ich nachher sicher auch im Biergarten des Hotels aufschlagen, denn heute nachmittag sind noch einmal bis zu 25° vorher gesagt. Scheinbar haben die Bajuwaren einen unstillbaren Drang, abends an der frischen Luft ihr Weissbier zu süffeln. Was ja auch in Gesellschaft entschieden angenehmer ist als alleine in den heimischen vier Wänden.

Zwar gibt es auch in anderen Bundesländern mehr oder weniger große Biergärten, aber niemand anders hält diese Tradition so hoch wie die Bayern. Wie sieht das eigentlich bei euch aus? Gibts bei euch auch Biergärten? Besucht ihr diese auch mehr oder weniger häufig? Oder ist euch das vollkommen fremd? Übrigens kann man dort auch antialkoholische Getränke zu sich nehmen. Auch wenn das einem echten Bayern wahrscheinlich niemals in den Sinn käme.