GoldWing

Ein Wochenende mit der Schrankwand – Goldwing GL 1500

Nachdem ja die Zulassung des neuen Dickschiffs im Fuhrpark eine nahezu endlose Geschichte wurde, hat es jetzt pünktlich zur kalten Jahreszeit doch noch geklappt.

Um es ganz kurz zu machen: 6 Wochen Wartezeit um ein Kurzkennzeichen für die Fahrt zum TÜV zu erhalten und danach nochmal 4 Wochen Wartezeit bis zur Zulassung am Freitag. Wir sind eine Millionenstadt mit einer Zulassungsstelle, wo auch ohne Corona und Online-Termine schon täglich der Bär steppt. Und schaffen es nicht, mal eine zweite Zulassungsstelle einzurichten? Unfassbar… Naja, Schwamm drüber, jetzt ist die Schrankwand ja angemeldet.

Und natürlich habe ich das Wochenende ausgiebig dazu genutzt, die Goldwing mal zu erfahren. Am Samstag ging es mal wieder ins Sauerland und abseits von bevorzugten Routen habe ich das Dickschiff auch über kleinere und kurvenreichere Straßen gejagt. Und gejagt ist nicht übertrieben… Erstaunlicherweise lassen sich die 400 Kilogramm Alteisen recht geschmeidig auch durch enge Kurven pflügen, zumindest wenn man per integriertem Kompressor den Bock hinten quasi etwas hochgefahren hat.

Bei engen Kurvenkombinationen heißt es aber durchaus, die 1500er auch mal etwas abzubremsen, denn da macht sich das Gewicht dann doch bemerkbar. Aber für solche Exzesse wurde die GL ja auch nicht gebaut, ihr Steckenpferd ist das moderate cruisen. Und das beherrscht die Schrankwand wie keine andere. Hinter der Windschutzscheibe sitzt du quasi wie in Abrahams Schoß und der per Sitzheizung angenehm temperierte Wohnzimmersessel namens Sitzbank lässt dich in Zusammenarbeit mit den Warmluft ausströmenden Belüftungsklappen auch bei usseligen Temperaturen nicht den Kältetod sterben.

Apropos Sitzbank… Dank der Rückenlehne und den zusätzlichen Trittbrettern an den Sturzbügeln könnte man – bei eingeschaltetem Tempomat – auch in Versuchung kommen, auf dem Dickschiff einzuschlafen. Um dieser Gefahr nicht zu unterliegen, habe ich mich vorsichtshalber mit etwas härterer Mucke berieseln lassen. Aber kommen wir nochmal zu den Fahreigenschaften. Der Sechszylindermotor schnurrt angenehm und Diskussionen über Lautstärke von Auspuffanlagen an Motorrädern – wie in diesem Sommer häufig geführt – prallen an der Goldwing ab. Die Dicke schnurrt, sie bellt nicht.

Und hat doch ordentlich Zug am Gasgriff. Dabei dreht der 1500er-Motor aber nicht in astronomische Höhen. Zudem lässt sie sich auch im fünften Gang locker auch mit 1000 Umdrehungen fahren und verschluckt sich auch nicht, wenns dann wieder etwas zügiger wird. In punkto cruisen hat die Schrankwand wirklich etwas drauf, dafür wurde sie gebaut. Doch auch am Sonntag auf einer Tour durch Westerwald und an der Mosel entlang zurück durch die Eifel hab ich es bei zwischendurch zügiger Fahrweise nur ein einziges Mal „geschafft“, den Auspuff über den Teer zu schrubben.

Auch der Verbrauch zwischen 6 und 7,5 Litern ist angesichts des Gewichts der Fuhre noch in Ordnung. Ergo, für Fahrten mit unserer Yamaha-Clique dürfte die Goldwing deplatziert sein, da gehts dann doch noch einen Schlag zügiger zu. Fürs flotte cruisen oder auch eine Urlaubsfahrt hat sich am Wochenende die Schrankwand empfohlen. In Punkto Gepäckzuladung auch für mehr als nur ein Wochenende nimmt es die GL 1500 zumindest mit einem Smart auf.

Das einzige was mich ein paarmal verarscht hat war der Tacho. Denn eine amerikanische Goldwing hat naturgemäß einen Meilen-Tacho, was ich dann jetzt auch kapiert habe. Ich muss mir jetzt nur noch ein paar Markierungen an die Scheibe kleben, denn die km/h-Bezeichnungen sind in dunkelblau auf einer schwarzen Tachoscheibe und somit kaum zu erkennen. Aber das ist wirklich nur ein kleines Problemchen, ansonsten hab ich mich während der gut 650 Kilometer am Wochenende richtig in die Schrankwand verliebt.

Nicht das die Diva noch eifersüchtig wird…

#Divatours – Von Wohnmobilen und ihren Fahrern

nurmalso

Am Sonntag bin ich mit ein paar Freunden mal wieder mit dem Moped unterwegs gewesen.

Nachdem ich nun fast 2 Wochen fast täglich an der Goldwing geschraubt und überprüft habe, war der Ausflug mehr als verdient. Die neue Dicke ist jetzt technisch fit, Reifenwechsel, Bremsbeläge, neue Bremsflüssigkeit, Öl, Zündkerzen und 2 Tage gingen nur fürs putzen und polieren drauf. Was mich mir dann gleich mal für die Zukunft gemerkt habe, wenn ich mit der Goldwing fahre dann darf kein Wölkchen am Himmel sein, denn wenn das Schiff mal dreckig ist, dann putzt du dich vor lauter Chrom doof. :wacko: Leider bekomme ich den neuen Reisedampfer noch nicht angemeldet, denn das Kölner Straßenverkehrsamt ist Corona-bedingt unterbesetzt und so wartet man dort 4-5 Wochen wegen der Anmeldung. Naja, ich hab ja noch die Diva…

Unsere Sonntagstour führte uns erstmal in den Westerwald rund um Hachenburg, anschließend ging es über Neuwied nach Koblenz und von dort – unterbrochen von einer Futter – und mehreren Zigarettenpausen – an der Mosel entlang über Cochem bis kurz vor Trier, dann über Prüm, Gerolstein in der Eifel bis zum Nürburgring, wo wir wegen eines kurzen Regenschauers in Adenau nochmal Rast gemacht haben. Anschließend wieder heim nach Köln und abends um halb acht waren dann wieder knapp 450 Kilometer mehr auf dem Zähler.

Unterwegs habe nicht nur ich teilweise mächtig geflucht. Denn die Kameraden mit ihren teilweise riesigen und sicher innen auch gemütlichen Wohnmobilen hatten ihre Fahrzeuge leider nicht immer im Griff. In Cochem hatte ich sogar so einen Riesendampfer plötzlich vor mir auf der Spur stehen, weil der Fahrer wohl etwas weit eingeschlagen hatte, um in eine Nebenstraße abzubiegen. Ob er mich/uns „nur“ übersehen oder einfach dachte „Die können ja bremsen“ – man weiß es nicht. Doch man konnte schon erkennen, das der Herr so einen 8-9-Meterdampfer nicht regelmäßig bewegt.

An anderer Stelle wurde auch auf freier Strecke so abrupt bis zum Stillstand abgebremst so das ich schon Angst hatte, der Fahrer hätte jetzt sein Mobiliar durchgekegelt. Denn als wir dann an dem rollenden Haus vorbei gefahren sind, da brüteten Fahrer und Beifahrerin seelenruhig über einer Landkarte! Auf freier Strecke, natürlich ohne Warnblinkanlage und trotz der Möglichkeit, vorher den Blinker zu setzen und etwas rechts an den Straßenrand zu fahren. Sachen gibts die glaubste nicht… :whistle:

Überhaupt Wohnmobile… Mittlerweile ist die Moselregion geradezu übervölkert. Auf jeder freien Wiese, auf Parkplätzen, überall nur noch Wohnmobile. Und auch der letzte kleine Weinbauer hat zwischenzeitlich erkannt, das selbst im heimischen Vorgarten mindestens noch Platz für 2 Stellplätze ist und kassiert munter ab. Naja, meins isses nicht, zumindest nicht wenn der nächste Nachbar schon so dicht an dir steht, das du die Eingangstür nicht mehr ganz auf bekommst.

Das letzte Erlebnis folgte dann kurz vor Trier, als wir in Richtung Salmtal abbogen. Da rumpelte so ein Wohnmobil in Autobuslänge locker über eine Verkehrsinsel und da er kurz darauf rechts heran fuhr, gehe ich davon aus das er zumindest bemerkt hat, das dieses kleine Verkehrsschild das er beim überfahren gestreift hatte etwas verursacht hatte. Wir haben das kratzende Geräusch jedenfalls laut und deutlich vernommen. Naja, so ein Riesenkarren ist eben kein Mittelklassewagen und beim nächsten Mal funktionierts dann vielleicht besser.

Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse… B-)

Neues zum Thema Goldwing GL 1500

Ich zähle mich ja zur Fraktion der Schrauber.

Heißt, bevor ich mit einem Motorrad durch die Botanik kurve, wird erstmal die Technik tiefgehend erkundet und im Bedarfsfall auch zerlegt. Wartungen/Inspektionen werden selbst erledigt, da habe ich auch immer das gute Gefühl, das es erledigt worden ist. Hab ich bisher immer so gemacht und dank diverser Werkstatthandbücher ist das meiste ja auch kein Hexenwerk. Zudem macht mir die Schrauberei auch Spaß und manchmal vergesse ich sogar die Zeit darüber.

Bei dem neuen Plastikbomber habe ich mich vorher genauso eingelesen, wobei dies allerdings richtig in Arbeit ausartete. Nur mal so zum Vergleich: Das Werkstatthandbuch meiner Diva umfasst knapp 110 Din A4-Seiten, das der Goldwing ca. 930! Oder anders ausgedrückt, 2 dicke Aktenordner voll. Gut, da heißt es sich erstmal die wichtigsten Dinge einzuprägen und der Rest kommt dann mit der Zeit. Was bei einem „normalen“ Motorrad eigentlich schnell erledigt ist, kann bei der 1500er in mächtig viel Maloche ausarten.

Der Ausbau des Hinterrads inklusive Kontrolle der Bremsen, Kardan und Stoßdämpfer ist dank des ausgeprägten hinteren Wohnzimmers nicht mal eben in einem Stündchen erledigt. Selbst die Demontage des Vorderrads hat mich angesichts des sehr verschachtelten Frontfenders samt Verblendungen der Bremsscheiben gute 2 Stunden gekostet. Zum Vergleich nochmal die gleiche Arbeit an der Diva ist in guten 20 Minuten erledigt. Die Riesenverkleidung habe ich ebenfalls eingehend erkundet und ich habe noch nie in meinem Leben so viele zusätzliche Kabelstränge gesehen.

Diverse Zusatzbeleuchtungen lassen den Dampfer zwar in der Dunkelheit aussehen wie eine fahrende Discokugel, benötigt wird so etwas allerdings nicht wirklich. Naja, die rund um die Maschine installierten knapp 180 LED’s sind allerdings fest in den diversen Verkleidungsteilen eingeklebt und eine Demontage daher schlecht möglich, deshalb habe ich mich auf die Nachverfolgung der einzelnen Kabelstränge bis zum jeweiligen Schalter beschränkt. Diverse Kabel die etwas angescheuert aussahen oder wegen ihrer Nähe zum Motor sogar etwas brüchig waren, habe ich in diesem Zug gleich erneuert.

Die größte Baustelle war für mich die eingebaute Musikanlage. Man stelle sich vor, der Bock hat in 2 Koffern und einem Pizzakoffer hinten drauf mehr als reichlich Platz, um Dinge zu verstauen. Tatsächlich nutzbar war aber nur der Koffer links, da im rechten Koffer Verstärker und Endstufe verbaut wurden, um im Topcase ein elefantöser Subwoofer. Da ich allerdings nicht vorhabe, hier die Nachbarschaft mit meinen Playlists zu unterhalten, habe ich das ganze Zeug mal demontiert. Im übrigen kein Billigkram, Vorbesitzer Jürgen hat sich die Anlage 1700 Euronen inklusiver fachgerechten Einbaus kosten lassen.

Naja, mir ist der Stauplatz wichtiger und in den hinteren Koffer passen nun mühelos auch 2 Sturzhelme. Das montierte Originalradio lasse ich eingebaut und wenn ich wirklich mal unterwegs Mucke hören sollte, gehts ja dank heutiger Technik und Smartphone ziemlich einfach. Apropos Smartphone, ein entsprechenden Halter und 2 zusätzliche wasserdichte USB-Steckdosen habe ich mir noch montiert, ich hätte zwar mittels eines entsprechenden Adapters auch einen der beiden bordeigenen Zigarettenanzünder nutzen können aber womit mache ich mir dann während der Fahrt ne Kippe an? :scratch:

Wenn man bedenkt das man selbst bei der eigentlich sehr einfachen Demontage der Sitzbank darauf achten muss, keinen der 4 Stecker für Sitzheizung, Bordfunk etc. zu schrotten, dann erhält man eine ungefähre Vorstellung, wie viele Kabel sich alleine unter dem wirklich sehr gemütlichen Sitzmöbel befinden. Anhand des Schaltplans habe ich die diversen Kabelbäume eineinhalb Tage identifiziert und weiß jetzt zumindest, wofür was ist. Die weiter oben erwähnten zusätzlichen LED-Beleuchtungen habe ich in diesem Umfang gleich mal teilweise neu verlegt und mittels eines neuen und jetzt gut erreichbaren 12-fach Sicherungshalters aus dem Bootszubehör im Topcase hinten separat abgesichert. Wenn denn zukünftig mal ein Lämpchen abdackeln sollte, dann steht wenigstens nicht die ganze Fuhre still…

Heute sollte dann auch mein bestellter und vorher falsch gelieferter neuer Vorderreifen eintrudeln, so das ich die Goldwing wieder aus meiner dank der vorherigen Temperaturen eingerichteten Freiluftwerkstatt auf 2 Füßchen stellen kann. Und in der Garage sind dann auch noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, polieren zum Beispiel. Wobei das schon fast ne Lebensaufgabe ist… :whistle: Zumindest kenne ich den Plastikbomber jetzt schon mal etwas eingehender, die wichtigen Teile wie Motor, Getriebe und Vergaser spare ich mir dann für den Winter auf. Sie läuft zumindest sehr ruhig, fährt sich super, es klappert nix, deshalb habe ich ihr nur neue Zündkerzen, einen Ölwechsel nebst neuem Ölfilter gegönnt. Luftfilter ist regenerierbar, ergo mal mit dem Kompressor durchgepustet und wieder montiert.

Das sollte es erstmal im groben gewesen sein, technisch ist die Dicke jetzt zumindest gecheckt.