Honda

Reifenwechsel Goldwing GL 1500 selbst gemacht

Vorgestern war „Schwerstarbeit“ angesagt.

Denn der Reifenwechsel an einer Goldwing kann durchaus dauern. Hätte ich es quasi nach Leerbuch gemacht, dann hätte nicht nur ein Auspuffrohr, sondern gleich Koffer und die gesamte Heckpartie demontiert werden müssen. Da aber an meiner Schrankwand auch noch zusätzliche Schutzbügel, Anhängerkupplung und diverse Zusatzbeleuchtung verbaut ist, wollte ich mir das nicht freiwillig antun.

Vor ein paar Wochen habe ich mir deshalb für knapp 500 Euronen eine Hebebühne bestellt, die sich allerdings als untauglich zeigte. Das Teil war zwar für 500 kg Hebekraft ausgelegt, wog aber selbst knapp 130 kg und als ich die Schrankwand mal probehalber hochgeliftet habe, erschien mir das ganze doch ziemlich wacklig. Also habe ich die Hebebühne wieder abholen lassen, klappte dank eines kulanten Händlers auch einwandfrei.

Ich bin dann vor 2 Wochen mal zu ihm ins Ruhrgebiet gefahren und habe mich dort nach einer Alternative umgesehen. Er hat mir ein paar Hubbühnen gezeigt und die durfte ich dann auch gleich mal an der Goldwing ausprobieren. Entschieden hab ich mich dann für das Modell auf dem Foto, hebt bis zu 600 kg und die einen halben Meter hoch. Reicht also, um den Hinterreifen nach unten aus- und wieder einbauen zu können.

3 Tage später war ich dann mit dem Firmenwagen wieder vor Ort und hab mir meine neue Hebevorrichtung bezahlt und abgeholt. Kostete mich dann „nur“ 160 Euro und das Ding ist dank 35 Kilo Eigengewicht auch von einer Person zu transportieren. Als Zugabe gab es noch 4 Unterlegblöcke aus Vollgummi. Tja, und gestern ging es dann an Eingemachte…

Vorsichtshalber noch mit 2 Spanngurten gesichert stand die Schrankwand mit ihren 430 Kilo wirklich sicher wie eine japanische Eiche. Eine Auspuffblende und das Endrohr demontiert, Steckachse + Sicherungsschraube gelöst, aufgebockt, Steckachse heraus gezogen, Bremssattel vorsichtig von der Scheibe gedrückt und mit etwas Fingerspitzengefühl das Rad heraus bugsiert. War zwar alles etwas fummelig, weil der Bock so was von verbaut ist aber es hat funktioniert.

Einen neuen Hinterreifen hatte ich mir vorher schon auf eine Reserve-Felge aufziehen lassen, so das ich alles gereinigt und gut gefettet gleich wieder montieren konnte. Vorher habe ich dann aber noch ein bisschen die schlecht zugänglichen Stellen geputzt, da wo man normal nie dran kommt. Gut, wenn ich den Aufwand beim Reifenwechsel mit der Diva vergleiche, dann ist ein Reifenwechsel bei der Diva Kindergeburtstag. Aber alles in allem hat es gut geklappt und die Investition in die Hebebühne hat sich gelohnt.

Zudem kann ich das Ding auch hochkant an die Garagenwand stellen und es nimmt mir keinen Platz weg. Kurzum, Mission gelungen, Patient lebt noch!

Kleiner Samstagsausflug nach Hamburg – Teile für die Goldwing

goldwing

Tja, was macht Mann an einem stürmischen und überwiegend verregneten Samstag?

Richtig, er sucht sich eine Beschäftigung. Meine gestrige Beschäftigung hatte ich in dieser Woche schon mit Ewald vorbereitet. Da habe ich nämlich bei eBay-Kleinanzeigen seine Annonce entdeckt. Er hatte 2 Felgen, für Vorder- und Hinterrad komplett mit Bremsscheiben inseriert. Und die sahen auf den Fotos nicht nur prima aus, sondern waren auch für 200 Euro äußerst preiswert.

Dazu muss man wissen, das erstens diese Felgen nicht mehr oder wenn dann nur äußerst selten im Handel zu beziehen sind, folgerichtig also nur gebraucht angeboten werden. Im Normalfall wird dann schon für eine Felge ohne Bremsscheibe der Honda Goldwing zwischen 150 und 200 Euro verlangt und mangels Masse auch bezahlt. Deshalb habe ich erst gar nicht versucht zu handeln sondern ihn gleich angerufen und ein Treffen für gestern vereinbart. Blöd nur das er hinter Hamburg wohnt…

Also bin ich gestern früh um 8 Uhr mal auf die Autobahn gefahren und bin die Hansalinie hochgefahren. Angesichts der Wetterlage war es fast ein Wunder, das ich unterwegs nicht weggeflogen bzw. abgesoffen bin. Dafür waren die dreieinviertel Stunden für knapp 385 Kilometer schon fast rekordverdächtig. Angekommen bei Ewald gabs dann erstmal ein Käffchen und wir haben hauptsächlich über Motorräder gequatscht, was auch sonst… Er ist seit 4 Jahren Rentner, hat seine Goldwing im letzten Jahr nach einer Hüft-OP notgedrungen verkaufen müssen, trauert ihr aber noch sehr hinterher. Verständlich, auf den Fotos die er mir zeigte war das wirklich ein bildschönes Stück Technik.

Naja, wir kamen dann irgendwann einmal zum eigentlichen Grund meines Besuchs, den beiden Felgen. Tiptop in Schuss und die 200 Euronen dafür hab ich anstandslos bezahlt. Nach einem vermeintlichen Abschluss-Kaffee stand er plötzlich auf und sagte: „Lass uns mal in die Garage gehen, ich hab da noch ein paar Teile für die du sicherlich Verwendung haben könntest. Mein Gesichtsausdruck als er anschließend die Garage öffnete kann man durchaus mit sprachlos beschreiben.

Mit dem Inhalt dieser Garage könnte man bis auf wenige Teile garantiert noch eine Maschine zusammensetzen. Alles fein säuberlich sortiert, vieles doppelt und dreifach vorhanden. Wahrscheinlich alles, was man in 25 Jahren so als „Reserve“ so bekommen konnte, vieles noch nagelneu. Und viele dieser Teile sind heute nur äußerst schwer bis überhaupt nicht mehr zu kriegen, ein wahrer Schatz den er da aufbewahrt. Ich hab ihn dann gefragt warum der das ganze Zeug nicht verkauft, schließlich lagerte da auch eine ganze Menge Geld. Worauf er ganz norddeutsch knapp „Vielleicht demnächst mal“ antwortete.

Dann fragte er, ob ich noch etwas anderes benötigen würde. Naja, da ich die Schrankwand ja erst ein Jahr besitze fiel mir da auf die Schnelle nichts spezielles ein. „Ich mache dir noch ne Kiste parat, die kannst du dir für Umme mitnehmen. Spezielle Wünsche?“ Wieder zuckte ich mit den Schultern, worauf er mich ins Haus schickte. „Trink dir nochn Kaffee, ich stelle dir was zusammen.“

Aus dem „was zusammen“ wurden im Endeffekt 2 große Umzugskartons und es war mir schon fast peinlich, als wir die Kisten dann eine halbe Stunde später in mein Auto luden. Ich habe ihm dann noch Geld angeboten was er aber ablehnte. „Ich bin ja froh, wenn das Zeug in gute Hände kommt. Falls du zukünftig mal etwas brauchen solltest melde dich ruhig, Telefonnummer hast du ja. So gegen 14 Uhr hab ich mich dann mehrfach bedankt und mich dann wieder auf den Heimweg gemacht.

Zurück dauerte es dann etwas länger, weil es kurz vor dem Kamener Kreuz nochn halbstündigen Stau gab, dafür wars aber nicht mehr ganz so stürmisch. Als ich um kurz nach 18 Uhr wieder daheim war, hab ich mir natürlich erstmal die beiden Kisten vorgenommen. Und dabei kam ich mir vor wie an Weihnachten. Unter anderem eine nagelneue Lichtmaschine, Anlasser, Luftdruckfederbein komplett mit Kompressor, diverse Lampen und Lämpchen, Lampeneinsätze, eine komplette Kiste mit V2A-Schrauben für den Motor, Schraubensätze für die Verkleidungsteile mit diversen Halterungen, viele noch original verpackte Chromteile, Fußrasten, 4 komplette Sätze!! Bremsbeläge, Dichtungen für nahezu den kompletten Motor, mehrere Radlager, Kupplungs- und Bremshebel ebenfalls original verpackt, diverse Relais, dutzende Stecker vom Kabelbaum und und und. Ich habe es mal ganz grob überschlagen, man kennt ja mittlerweile die Preise der Teile.

Ohne Übertreibung hat der gute Ewald mir locker zwischen 800 und 1000 Euro an Teilen in die Kisten gepackt, ein Wahnsinn! Viele Teile, die nur noch selten zu bekommen sind, aber eben bei einer 28 Jahre alten Maschine auch mal kaputt gehen können. Ich hab ihn dann gestern Abend nochmal angerufen und ihn gefragt, ob das so alles seine Richtigkeit hätte. „Alles gut, senil bin ich noch nicht“ hat er geantwortet. „Vielleicht brauchst du es ja niemals, ich drücke die Daumen“ schob er noch hinterher.

Da haben sich die knapp 800 Kilometer gestern aber richtig gelohnt, auch wenn es mir schon fast peinlich ist. Und das kommt nicht oft bei mir vor… Ach ja, ganz vergessen. Die beiden Felgen werden natürlich dafür benötigt, dass ich immer einen frischen Reifensatz in der Garage habe. Die Schrankwand ein paar Tage ohne Reifen auf dem Motorradheber stehen zu lassen, erzeugt bei nämlich Magengrummeln. Mit über 400 Kilo ist sie ja kein Fliegengewicht…

Ein Wochenende mit der Schrankwand – Goldwing GL 1500

Nachdem ja die Zulassung des neuen Dickschiffs im Fuhrpark eine nahezu endlose Geschichte wurde, hat es jetzt pünktlich zur kalten Jahreszeit doch noch geklappt.

Um es ganz kurz zu machen: 6 Wochen Wartezeit um ein Kurzkennzeichen für die Fahrt zum TÜV zu erhalten und danach nochmal 4 Wochen Wartezeit bis zur Zulassung am Freitag. Wir sind eine Millionenstadt mit einer Zulassungsstelle, wo auch ohne Corona und Online-Termine schon täglich der Bär steppt. Und schaffen es nicht, mal eine zweite Zulassungsstelle einzurichten? Unfassbar… Naja, Schwamm drüber, jetzt ist die Schrankwand ja angemeldet.

Und natürlich habe ich das Wochenende ausgiebig dazu genutzt, die Goldwing mal zu erfahren. Am Samstag ging es mal wieder ins Sauerland und abseits von bevorzugten Routen habe ich das Dickschiff auch über kleinere und kurvenreichere Straßen gejagt. Und gejagt ist nicht übertrieben… Erstaunlicherweise lassen sich die 400 Kilogramm Alteisen recht geschmeidig auch durch enge Kurven pflügen, zumindest wenn man per integriertem Kompressor den Bock hinten quasi etwas hochgefahren hat.

Bei engen Kurvenkombinationen heißt es aber durchaus, die 1500er auch mal etwas abzubremsen, denn da macht sich das Gewicht dann doch bemerkbar. Aber für solche Exzesse wurde die GL ja auch nicht gebaut, ihr Steckenpferd ist das moderate cruisen. Und das beherrscht die Schrankwand wie keine andere. Hinter der Windschutzscheibe sitzt du quasi wie in Abrahams Schoß und der per Sitzheizung angenehm temperierte Wohnzimmersessel namens Sitzbank lässt dich in Zusammenarbeit mit den Warmluft ausströmenden Belüftungsklappen auch bei usseligen Temperaturen nicht den Kältetod sterben.

Apropos Sitzbank… Dank der Rückenlehne und den zusätzlichen Trittbrettern an den Sturzbügeln könnte man – bei eingeschaltetem Tempomat – auch in Versuchung kommen, auf dem Dickschiff einzuschlafen. Um dieser Gefahr nicht zu unterliegen, habe ich mich vorsichtshalber mit etwas härterer Mucke berieseln lassen. Aber kommen wir nochmal zu den Fahreigenschaften. Der Sechszylindermotor schnurrt angenehm und Diskussionen über Lautstärke von Auspuffanlagen an Motorrädern – wie in diesem Sommer häufig geführt – prallen an der Goldwing ab. Die Dicke schnurrt, sie bellt nicht.

Und hat doch ordentlich Zug am Gasgriff. Dabei dreht der 1500er-Motor aber nicht in astronomische Höhen. Zudem lässt sie sich auch im fünften Gang locker auch mit 1000 Umdrehungen fahren und verschluckt sich auch nicht, wenns dann wieder etwas zügiger wird. In punkto cruisen hat die Schrankwand wirklich etwas drauf, dafür wurde sie gebaut. Doch auch am Sonntag auf einer Tour durch Westerwald und an der Mosel entlang zurück durch die Eifel hab ich es bei zwischendurch zügiger Fahrweise nur ein einziges Mal „geschafft“, den Auspuff über den Teer zu schrubben.

Auch der Verbrauch zwischen 6 und 7,5 Litern ist angesichts des Gewichts der Fuhre noch in Ordnung. Ergo, für Fahrten mit unserer Yamaha-Clique dürfte die Goldwing deplatziert sein, da gehts dann doch noch einen Schlag zügiger zu. Fürs flotte cruisen oder auch eine Urlaubsfahrt hat sich am Wochenende die Schrankwand empfohlen. In Punkto Gepäckzuladung auch für mehr als nur ein Wochenende nimmt es die GL 1500 zumindest mit einem Smart auf.

Das einzige was mich ein paarmal verarscht hat war der Tacho. Denn eine amerikanische Goldwing hat naturgemäß einen Meilen-Tacho, was ich dann jetzt auch kapiert habe. Ich muss mir jetzt nur noch ein paar Markierungen an die Scheibe kleben, denn die km/h-Bezeichnungen sind in dunkelblau auf einer schwarzen Tachoscheibe und somit kaum zu erkennen. Aber das ist wirklich nur ein kleines Problemchen, ansonsten hab ich mich während der gut 650 Kilometer am Wochenende richtig in die Schrankwand verliebt.

Nicht das die Diva noch eifersüchtig wird…