Istanbul

War das ein Taxi oder ein türkischer Basar?

taxi

Am Donnerstag kam ich mir irgendwie vor wie auf einem türkischen Basar…

Zu relativ später Stunde und quasi als Abschluss meines beruflichen Wochenausflugs beschlossen meine drei Tischnachbarn und ich, noch einen Trip ins Städtchen zu machen. Also bestellten wir uns auf die schnelle noch ein Taxi. Wir hatten Glück, der Fahrer der französischen Rikscha sprach sogar deutsch und konnte tatsächlich verstehen wo wir hin wollten. Hat man selbst bei uns in Köln auch nicht alle Tage…

Als wir dann in die Stadt-Rikscha einstiegen, wurde ich auf dem Beifahrersitz von einem unermüdlichen Klingeln, nur unterbrochen von einem kurzen, nicht näher definierbaren Summton empfangen. Der Blick aus der Frontscheibe war auch nur in leicht nach vorne geneigter Haltung möglich, da unser Droschkenführer zwischen den Sonnenblenden diverses Sammelsurium angeknotet hatte.

Neben verschieden großen Figuren aus der orientalischen Märchenwelt entdeckte ich auch mehrere Wimpel von Galatasaray Istanbul, was zumindest auf die ursprüngliche Herkunft unseres Beförderers schließen ließ. Auch kleine Glöckchen, die bei jedem Bremsvorgang lustig bimmelten, irgendwelche Heiligenbildchen die ich nicht näher zuordnen konnte und allerlei anderer Krimskram hing dort fein säuberlich an einer Leine befestigt.

Mich verwunderte nur, dass der Fahrer vor lauter Glöckchen und Anhängeseleien noch einen einigermaßen freien Blick auf die Straße hatte. Mich machte das nämlich langsam kirre, während ich mit einem kurzen Blick nach hinten feststellte, dass meine drei Begleiter einen eher heiteren Gesichtsausdruck hatten. Wahrscheinlich erkannte sie Ähnlichkeiten zwischen diesem rollenden Basar und ihren jeweiligen Schlüsselanhängern…

Naja, der Osmane hat uns zumindest gesund und überwiegend munter ans Ziel gebracht. Und als wir zu zwei Stunden später wieder ins Hotel fuhren, da schickte uns die Taxi-Zentrale zwar wieder einen osmanischen Kollegen, allerdings fuhr der ohne Klimpereien. Da musste konnte man sich sogar während der Fahrt unterhalten…

Kein Mitleid mit den deutschen Terroropfern von Istanbul

facebook

Die Terroranschläge am 13. November 2015 in Paris liegen nun 2 Monate zurück.

Die Anteilnahme in der Welt war mindestens genau so groß wie die aktuelle Angst vor neuen Anschlägen durch Attentäter des Islamischen Staates. Im Internet kursierten wochenlang Beileidsbekundungen mit den Opfern und schon Stunden nach den Anschlägen konnte man seine Anteilnahme bei Facebook zum Beispiel dadurch bekunden, dass man sein Profilbild in die französischen Nationalfarben tauchte.

Mir haben die französischen Opfer auch leid getan, allerdings habe ich mich an dieser Profilfoto-Aktion nicht beteiligt. Wobei wir aber auch schon beim Thema wären. Denn irgendwie scheint es bei dieser ganzen – ich nenne es jetzt mal überspitzt so – Mitleidshudelei große Unterschiede zu geben. Denn nachdem am Dienstag 10 deutsche Urlauber einer Reisegruppe in Istanbul durch einen Sprengstoffanschlag ums Leben kamen, halten sich die Ausmaße der Anteilnahme – zumindest bei Facebook – doch sehr in Grenzen.

Ebenso habe ich in meinem knapp über 1000 Personen umfassenden Freundeskreis nur eine sehr überschaubare Anzahl ausmachen können, die ihre Profilfotos in den deutschen Landesfarben präsentierten. Und erst gestern konnte man auch die ersten Beileidsanzeigen im Newsfeed lesen. Werden bei solchen verabscheuungswürdigen Taten generell Unterschiede bei der Anteilnahme gemacht? Waren es vielleicht zu wenig Opfer um wirklich öffentlich Mitleid zeigen zu können? Oder hat das eventuell noch andere Gründe?

Ich frage das absichtlich so provokant, denn mir ist das schon ein wenig aufgestoßen…