Landstraße

Am Arsch der Welt

nurmalso

Ich bin ja schon viel in der Republik herum gekommen…

Ich bin an Orten gewesen, die habe ich selbst auf einer Karte nie entdeckt. Einsam, verlassen, fernab vom Verkehr. Und gestern habe ich wieder einen Ort entdeckt, wo ich vorher noch nie gewesen bin: Am Arsch der Welt. Ich habe ihn wirklich entdeckt, diesen ominösen Arsch der Welt. Denn ich war dort, zwar nur ein paar Stunden aber mehr hätte ich auch nicht verkraftet.

Der Arsch der Welt liegt in Deutschland, in einer Gegend wo es viel Wald und wenig Menschen gibt. Noch dazu sprechen diese Menschen einen Sauerländer Dialekt und sind auch sonst recht eigen. Es dauert bis sie „Vertrauen“ zu nicht Einheimischen fassen. Weit und breit gibt es keine Industrie, selbst die Landstraße zum Hotel am Arsch der Welt ist so schmal, dass man entgegen kommenden Fahrzeugen schon mal auf die Wiese ausweichen muss.

Ich möchte den Arsch der Welt nicht noch näher beschreiben, damit er nicht von Touristen überlaufen wird. Das wäre den Einwohnern sicher nicht recht. Zudem gibt es auch dort nichts besonderes, noch nicht einmal ein GPRS- oder ein EDGE-Netz. Null, Nada, Nothing, der Empfangsbalken am Smartphone verweigerte komplett die Anzeige.

Statt dessen nur ein unfreundliches „Kein Mobilfunknetz in Reichweite.“ Also wenn das nicht der Arsch der Welt war dann weiß ich es auch nicht…

Erlebnisse auf der Bundesstraße

autosEntscheidungsfreudig ist anders…

Ich liebe ja diese Spezialisten die sich nicht entscheiden können. So wie dieser ältere Mitbürger gestern. Er fuhr schon eine ganze Zeit lang gemütlich vor mir auf der Landstraße, vor sich alles frei und hinter sich etwa zwanzig Fahrzeuge. Leider gab es die Verkehrssituation nicht her, dass ich oder jemand anders ihn überholen konnte. Das sollte sich wenig später noch rächen.

Denn genau wie ich wollte dieser Tourenfahrer in seinem schon etwas älteren Daimler dann nach rechts auf eine zweispurige Bundesstraße abbiegen. Nur scheinbar hatte er plötzlich entschieden, auf den nächsten Wintereinbruch zu warten. Denn er machte keine anstalten, auch auf die völlig freie Bundesstraße einzubiegen. Nachdem ich dann mindestens eine Minute hinter ihm verbracht hatte, gab ich ihm durch einen kurzen Ton mit der Hupe zu verstehen, dass andere Leute vielleicht auch noch die Absicht hätten, ihr Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen.

Und nachdem dann immer noch kein Auto von links kam, bin ich kurzerhand ausgeschert und habe ihn dort verschimmeln lassen. Dachte ich… Aber mein (unerlaubtes) Manöver war ihm wohl etwas aufs Herz geschlagen und er hatte seinen ollen Daimler dann doch noch um die Ecke geschoben. Und etwa 5 Minuten später erschien er hektisch blinkend und wild gestikulierend in meinem Rückspiegel. Wäre er nur vorhin auch mindestens so schnell gefahren, wie er jetzt hinter mir aufgetaucht war.

Seine Gesichtsfarbe würde ich jetzt mal als hochrot bezeichnen, wobei man das unter der schicken und mindestens 30 Jahre alten Baskenmütze und noch dazu im Rückspiegel nicht einwandfrei erkennen konnte. Das Weibchen neben ihm hatte dafür einen sehr deutlich erkennbaren kalkweißen Teint und einen etwas angespannten Gesichtsausdruck. Was entweder darauf zurückzuführen war dass er seine mittelalterliche Zwiebel so getreten hatte, dass dem Weibchen die Gesichtsfarbe entwichen oder sie vielleicht sogar schon verschieden war.

Aber wenn ich eines nicht leiden kann, dann sind das schon etwas angejahrte Blödmannsgehilfen mit hochrotem Kopf, die erst den fließenden Verkehr blockieren und dann hinter einem her fahren und hektisch blinken. Also habe ich dann mal auf das rechte Pedal getreten, damit sein Blutdruck sich wieder einregulieren konnte. Vorsichtshalber werde ich mir heute aber mal eine örtliche Tageszeitung besorgen um zu erfahren, ob nicht irgendwo zwei verblichene in oder neben einem ollen Daimler gefunden wurden…