Politesse

Die schwarze Politesse

daumen

Gestern war ich in einem Dorf unweit von Köln unterwegs, nennen wir es der Einfachheit halber Bonn. Als ich nun mit meinem Fahrzeug am Dorfplatz im Zentrum anhielt, befand ich mich wie häufig mit meinem Gefährt im eingeschränkten Halteverbot. Dank Ausnahmegenehmigung allerdings rechtmäßig geduldet im Halteverbot.

Als ich ausstieg, hatte mich auch schon eine dieser weiblichen Straßenräuberinnen im Visier. Schnurstracks ging sie auf mich zu und mein Erstaunen war umso größer, als ich mich einer schwarzen Dame gegenüber sah. Also jetzt so richtig schwarz, mit schwarzen Haaren, einem schwarzen Gesicht und vermutlich auch einem schwarzen Körper. Richtig schwarz und nicht etwa farbig aber nicht unhübsch…

Ihre Herkunft blieb mir leider unbekannt, jedoch schien sie mit der deutschen Sprache noch etwas auf Kriegsfuß zu stehen. Freundlich lächelnd wies sie mich zurecht: „Weißen, hier sie nix stehen dürfen!“ Als Kavalier alter Schule gab ich mich reumütig und zeigte gleichzeitig auf die auf dem Armaturenbrett liegende Genehmigung. Und erwiderte genauso freundlich: „Schwarzen aber auch nicht!“

Ich gehe davon aus, das sie meinen kleinen Wortwitz nicht verstanden hat. Zumindest hat sie mich nicht aufgeschrieben…

Singen kann hilfreich sein

daumen

Gestern Morgen am Hauptbahnhof in Köln…

Ich wollte eigentlich nur in der Filiale eines Kunden mal nach dem rechten sehen und noch ein paar Maße nehmen, da dort ab dem nächsten Monat umgebaut/modernisiert wird. Also schnell meine Firmenkutsche hinter dem Bahnhof auf einem der Parkplätze am Breslauer Platz abgestellt, Ausnahmegenehmigung ausgelegt und in die Filiale getrippelt. Arbeit erledigt, noch einen Kaffee geschnorrt und wieder auf den Weg zum Auto gemacht.

Da sah ich sie schon. Ein uniformitiertes städtisches Hühnchen huschte scheinbar interessiert ums Auto und hackte dazu noch ein paar Daten in ihren transportablen Computer. Als ich knapp fünf Meter vom Auto entfernt war einmal kurz auf den Schlüssel getippt, wobei sie dadurch augenscheinlich etwas erschrak. Und dann kam was kommen musste…

„Ihr Ausnahmejenehmijung nötz ever he nix“ bekam ich im schönsten Kölner Dialekt zu hören. Auf meine Frage weshalb antwortete sie umgehend: „Weil dat he Privatgelände der Bahnhoffsjesellschaff es un kein städtische Fläche!“ „Un wo steit dat?“ fragte ich, denn ich konnte kein entsprechendes Schild entdecken. „Dat hänk do vürre“ und zeigte mit der Hand in Richtung Nord-Süd-Fahrt und vergaß auch nicht zu ergänzen: „Deshab sin se jetz och mit 25 Euro en d“r Verlosung…“

Es folgte eine kurze Diskussion zwischen uns beiden in deren Verlauf ich anmerkte, dass man das betreffende Schild ja auch an etwas prominenterer Stelle hätte aufhängen können. Was die Gute allerdings völlig kalt ließ. „Ich ben he nit zum diskutiere anjestellt un zom Schilder ophänge schon ens jarnit.“ Haare auf den Zähnen hatte sie unzweifelhaft, da war ich sicher. :roll:

Tja, das war dann der Punkt wo ich ein selbst gedichtetes Liedchen anstimmte. Mit sonorer Singstimme intonierte ich ein „Do häs se nit mi all, do bes beklopp!“, worauf sie direkt fragte: „Wat han sie jetz zo mir jesaat? Se wessen jo hoffentlich, dat dat en Beleidijung wor!“ Worauf ich dann antwortete: „Ich han nix jesaat, ich han nur jesunge… Schönen Daach noch!“ Singen kann hilfreich sein, allerdings sollte Mann auch wissen wann es Zeit ist sich zu verdünnisieren.

Denn das Ticket zahlt sowieso die Firma, wozu also aufregen…

Alles ist nur noch hektisch und eine kleine Diskussion mit einem Poliboy

nikolaus

Man merkt dass Weihnachten naht…

Ganz besonders merkt man es im Straßenverkehr, denn da scheint die alltägliche Hektik die vorweihnachtliche Hektik abzulösen. Niemand hat mehr Zeit, alle haben es eilig, fahren Kreuzungen zu und reagieren äußerst unwirsch – und das ist noch milde ausgedrückt – wenn Fußgänger um ihr Auto huschen um am Zebrastreifen die Straße zu überqueren. Wo sollen sie sonst auch hinüber kommen, wenn der Blödmannsgehilfe es so eilig hatte, dass er jetzt mitten auf dem besagten Zebrastreifen steht? Schließlich ist es nicht ihre Schuld, wenn eine Ampel so mir nichts, dir nichts von hellrot auf dunkelrot springt, das hätte er sicher noch geschafft…

Selbst Fußgänger rennen sich fast über den Haufen doch anstatt einer Entschuldigung erntet der Überlaufene nur ein schroffes „Können sie nicht aufpassen?“ Alle scheinen überhaupt keine Zeit mehr zu haben, jeder will der schnellste sein. Gestern musste ich so einem Mufti hinter mir auch mal schnell die Meinung geigen. Der meinte nämlich gleich mal sein Nebelhorn im Stakato anwerfen zu müssen und das nur, weil ich aus einer Nebenstraße gleich drei Autos vorgelassen habe. Einen Zeitverlust hatte er allerdings nur weil ich ihm Bescheid gegeben habe, deshalb verpasste er noch eine Ampelphase.

Weihnachten, das Fest der Liebe, scheint selbst bei den städtischen Bediensteten Hektik auszulösen. Gleich in Vierer-Sollstärke rückten gestern die Damen und Herren der Knöllchenfraktion an, damit die Stadtkassen auch etwas vom Weihnachtsgeld abbekommen. Besonders amüsant fand ich gestern, dass während eines etwa 20-minütigen Telefongesprächs dass ich im Auto führte, sage und schreibe gleich dreimal jemand an meinem Auto den Parkschein kontrollierte. Und der letzte Poliboy, der wollte sich dann auch noch mit mir anlegen.

Zwar hatte ich noch etwa 10 Minuten Parkzeit übrig, doch ihn störte etwas anderes. Er klopfte an meine Beifahrerscheibe, die ich dann auch bereitwillig herunter ließ. Dann ergab sich folgender Dialog: „Das da unten an ihrer Scheibe würde ich aber schleunigst wieder abkratzen!“ Ich wusste natürlich was er meinte und fragte deshalb: „Was stört sie daran?“ Darauf er: „Das kann man auch als Beleidigung auffassen!“ Und ich: „Wenn man kein Mann ist vielleicht, allerdings sehen sie erstens nicht aus wie eine Frau und zweitens habe ich sie nicht gezwungen es zu lesen!“

Darauf er wieder: „Aber meine Kolleginnen könnten das als Beleidigung auffassen und Anzeige erstatten.“ Ich erwiderte: „Sicher, aber erstens meine ich niemand spezielles und zweitens zwinge ich auch ihre Kolleginnen nicht das zu lesen!“ Und weiter: „Wenn sie einen ausgestreckten Mittelfinger als Aufkleber an einem Fahrzeug sehen, fühlen sie sich dadurch auch angesprochen und beleidigt?“ „Das ist etwas anderes“ erwiderte er. „Aha“ antwortete ich, „dann tut es mir leid. Für einen ausgestreckten Mittelfinger hatte ich unter dem Scheibenwischer keinen Platz. Und jetzt entschuldigen sie bitte, ich muss weiter…“

Dann ließ ich mein Auto an und fuhr los, denn die Diskussion wurde mir jetzt zu blöd. Allerdings hatte ich jetzt Gewissheit, dass mein neuer Aufkleber da vorne unter dem Scheibenwischer der Beifahrerseite zumindest gelesen worden ist. Und selbstverständlich möchte ich damit niemand beleidigen…

zettelpuppe