Rollator

Die alte Frau aus der Nachbarschaft

nurmalsoEs gibt Dinge, die machen mich nachdenklich.

Hier in der Nachbarschaft wohnt eine ältere Dame, die offensichtlich etwas „verwirrt“ ist. Sie geht regelmäßig mit ihrem Rollator spazieren, weil sie etwas wacklig auf den Beinen ist. Ich kenne sie eigentlich nicht näher, doch immer wenn wir uns auf der Straße treffen grüßen wir uns. Und dann erzählt sie immer die gleiche Geschichte. Sie hätte mal einen Hund gehabt der ihr weggelaufen sei, sie würde ihn sehr vermissen und sein Körbchen würde sie noch immer im Keller aufbewahren. In der Hoffnung, dass er irgendwann zu ihr zurück käme.

Auf meine Frage wie lange denn ihr Hund schon weg ist antwortet sie unterschiedlich. Einmal sind es „fast 25 Jahre“, ein andermal „über 20 Jahre.“ Und dann erzählt sie mir dass sie ihren Hund suchen würde und bittet darum die Augen offen zu halten, falls man ihn sehen sollte. Und ihr dann unbedingt Bescheid zu geben…

Nun, ich bezweifle dass – selbst wenn er noch leben würde – sie ihren Hund jemals wieder findet. Und ob sie überhaupt jemals einen Hund besessen hat. Vielleicht existiert dieser Hund wirklich nur in ihrer Phantasie. Gestern morgen habe ich sie wieder getroffen. Geistesabwesend schob sie ihren Rollator vor sich her und erst als sie kurz vor mir war und ich sie grüßte, da blickte sie auf und grüßte ebenfalls.

Dann berichtete sie mir fast verzweifelt, dass sie gestern ihr Fahrrad vor einem Geschäft vergessen hätte und jetzt wäre es weg. Das Fahrrad wäre fast neu, sie hätte es sich erst letzte Woche gekauft. Auf meine Frage wie denn das Rad aussehen würde beschrieb sie mir, dass es silbern sei und vorne ein Körbchen am Lenker wäre. Für ihren Hund… Und dabei blickte sie mich fast verzweifelt an.

Ich versprach ihr dass, wenn ich ihr Fahrrad finden würde, ich es ihr umgehend zurück bringen würde. Da wirkte sie schon etwas beruhigter. Kurz danach verabschiedeten wir uns und es rumorte in meinem Kopf. Ich bin sicher, dass sie in den letzten Jahren nie ein Fahrrad besessen hat. Ihr körperlicher Zustand lässt es einfach nicht mehr zu, sich damit gefahrlos zu bewegen.

Aber wie lange wird diese Frau noch gefahrlos so spazieren gehen können? Wann wird sie sich einmal so verlaufen, dass sie nicht mehr nach Hause findet? Darf man einen Menschen, der offensichtlich geistig abbaut überhaupt noch alleine über die Straßen gehen lassen? Denn offensichtlich leidet sie unter Demenz und ich weiß aus Erfahrungen innerhalb der Familie, wie abrupt sich der tägliche Geisteszustand verändern kann.

Ich habe keine Ahnung ob sie unter Aufsicht steht oder ob sich überhaupt jemand um sie kümmert. Kinder, Enkel, andere Verwandte, ein Pflegedienst? Zumindest scheint sie – noch – ihre festen Abläufe zu haben. Aber wie lange noch wird das gut gehen, bis man sie nicht mehr sehen wird weil vielleicht etwas passiert ist?

Was kann man da tun?

Rentner – Ein sonderbares Völkchen

einkaufswagenDiese Woche kam es aber dicke…

Diverse Erlebnisse haben dafür gesorgt, dass diese Woche bei mir unter „naja“ abgelegt wurde. Die Krone setzte dieser Woche dann heute morgen ein Erlebnis mit der älteren Zielgruppe auf. Und mal ganz ehrlich, Rentner sind doch manchmal ein sonderbares Völkchen.

Ich bin ja nun auch schon in einem Alter, wo man sich langsam aber sicher Gedanken über die Rente machen kann. Vieles schwirrt einem über dieses Ruhestandsleben im Kopf herum aber eines weiß ich mit Gewißheit: Niemals, aber auch wirklich niemals werde ich der noch arbeitenden Bevölkerung im Weg herum stehen!! Obwohl sich in dieser Hinsicht viele Ruheständler abgesprochen haben…

Eben zum Beispiel in einem relativ großen Einkaufszentrum. Mann, also ich, angesichts des erfolgreichen Einkaufs in einer – rein menschlich gesehen – positiven Hochphase, stürmt mit dem erfolgreich ergatterten Richtung Ausgang. Doch dieser Ausgang – geschätzte 8 Meter breit – wurde ihm – also mir – unversehenst blockiert.

Denn einige Generationen an Ruheständlern hatten sich auf der kompletten Breite des Eingagsbereichs verteilt, um ihr täglichen Neuigkeiten auszutauschen. Ein Vorbeikommen war fast unmöglich, also musste härteres Geschütz aufgefahren werden. Den ersten – weißhaarig, Schnäuzer – hab ich quasi im vorbeigehen locker angerempelt, um Entschuldigung gebeten, bevor er mir fast entgegen fiel.

Gerade so konnte ich ihn noch auffangen und es hätte wirklich nicht viel gefehlt und er hätte mit seiner Unterlippe den Boden berührt. Er faselte dann etwas von „Eine Unverschämtheit…“, weiter hörte ich nicht mehr zu. Denn er konnte von Glück sagen, nicht von mir erschlagen worden zu sein. Die beiden, die dort als nächstes meinen Weg versperrten, stützten sich noch auf ihren Rollator.

Gott sei Dank reichte ein freundliches „Dürfte ich bitte einmal vorbei“ meinerseits, um die beiden von einem weiteren Verbleib im Eingangsbereich des Einkaufszentrums abzuhalten. Nur die Dicke wohlbeleibte da, die würde mit Sicherheit ein Problem darstelllen. Also tastete ich mich erst einmal vorsichtig heran. „Entschuldigung, dürfte ich einmal kurz vorbei?“ fragte ich höflich an.

Doch das Walroß Weibchen reagierte überhaupt nicht. Kurzum Durchbruchversuch Nummer 2 versucht. „Junge Frau, dürfte ich mal bitte durch?“ Wieder keine Reaktion… Nun, ich bilde mir nicht ein, leise zu sprechen. Aber besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen und was bleibt einem Mann in einer solchen Situation schon anderes übrig? Richtig, die Offensive!

Mein trotz des fortgeschrittenen Alters noch relativ muskulöser linker Arm winkelte sich an, ich trat einen Schritt zurück um etwas Schwung zu bekommen und noch ehe sie sich versehen konnte, taumelte die Angesprochene. Und hätte ich sie nicht im letzten Moment am Schlafittchen gepackt, dann hätte sie höchstwahrscheinlich einen dreifachen Rittberger über ihren Rollator gedreht. So gesehen habe ich ihr sogar das Leben gerettet aber das nur nebenbei…

Aber mal ganz ehrlich: Isses denn so schwer Gespräche zu führen, die nicht die ganze restliche Menschheit behindern?