Schrankwand

Kleine Ursache, große Wirkung

Goldwing

Heute früh hatte ich ja darüber berichtet, das die Schrankwand mich zum ersten Mal im Stich gelassen hat.

Heute Mittag bin ich also mal zu Peter und Erika gefahren, in deren Garage die Goldwing seit Samstag geparkt war. Und was soll ich euch sagen, gleich mal die erste von 3 Möglichkeiten führte zur Wiederbelebung des Schlachtschiffs. Eine poplige 30 Ampere-Sicherung, die ich im Sommer nicht auf Verdacht ausgetauscht hatte, hat die Grätsche gemacht und war für die Stilllegung des Dickschiffs verantwortlich. Allerdings muss ich dabei erwähnen, das ich genau diese Sicherung auch erst nach dem Studium des 960 Seiten starken Werkstatthandbuchs entdeckt habe.

Da diese Sicherungen schon mal dem Alter Tribut zollen, hatte ich – wie schon erwähnt – alle ihre anderen Kollegen im Sommer erneuert. Nur eben diese nicht… Nach dem auswechseln dieses Cent-Artikels sprang die Goldi gleich wieder wie gewohnt gut an und wurde danach auch gleich wieder in ihr gewohntes Zuhause umquartiert. Im Prinzip 5 Minuten Arbeit wenn man denn weiß, wo alle Bauteile an einem Fahrzeug montiert sind. Ich weiß es jetzt…

Da ging nichts mehr – Dunkelheit in der Schrankwand

Goldwing

Am Samstag hat mich die Schrankwand das erste Mal im Stich gelassen.

Das schöne Wetter musste natürlich ausgenutzt werden und so habe ich kurzfristig noch eine kleine Spritztour ins Bergische Land gemacht. Alles ganz easy und ohne Probleme. Als ich dann bei uns im Grengel war und an der Ampel in Richtung Garage abbiegen wollte, wurde es buchstäblich zappenduster.

Nichts ging mehr, komplette Elektrik tot, keine Anzeige mehr im LCD-Display, kein Licht und starten ließ sich das Dickschiff auch nicht mehr. Also erst mal auf den Gehweg geschoben und die ca. tausend Sicherungen hinter den beiden Seitendeckeln kontrolliert. Hm, allerdings war keine verschmorte zu entdecken. Da war dann grübeln angesagt…

Zufällig kam dann Erika, die Frau meines Goldwing-Kumpels Peter vorbei, die quasi um die Ecke wohnen. Sie gab dann Peter Bescheid, der 5 Minuten später mit Akku-Überbrückungshilfe neben mir stand. Damit war der Dicken allerdings auf die Schnelle nicht zu helfen, denn dafür muss die Sitzbank abgenommen werden und die ist gut verschraubt. Und da es in einer halben Stunde dunkel sein würde, haben wir das mal sein gelassen.

Also haben wir beschlossen, die Schrankwand kurzerhand neben Peters Goldwing in dessen Garage übernachten zu lassen. Die 100 Meter schieben ließen uns beide aber schon in Wallung kommen, denn das Schiff wiegt nun mal 400 Kilo und ist eher nicht fürs schieben ausgelegt. Vor der Garage dann nochmal alles durchgemessen, allerdings war kein Fehler zu entdecken. Also reingeschoben in die Garage zu ihrem Schwesterchen…

Gestern rief Peter mich an und berichtete, das er kurz zuvor noch einen Startversuch unternommen hätte. Die Goldi wäre tadellos angesprungen, alle Anzeigen da, alles bestens. Dann hätte er sie ausgemacht und beim zweiten Startversuch wieder nothing, alles dunkel, kein Mucks. Also hab ich mich gestern Abend mal im Goldwing-Forum schlau gemacht.

Die Schrauber kamen zu dem Ergebnis, das entweder eine bekannte Macke am Zündschloss die Ursache wäre, die einfach mit einer beherzten Ladung WD 40 zu beheben wäre. Die Kontakte korrodieren wohl mit dem Alter und dann kommen solche Aussetzer zu Stande. Die zweite Möglichkeit: Die Batterie.

Gel-Batterien können sich wohl schlagartig ohne Vorwarnung entladen, was mir allerdings auch nicht bekannt war. Also werde ich nachher mal zu Peter rüberdackeln und zuerst mal die Spannung der Batterie im ausgeschalteten Zustand und mit betätigtem Zündschlüssel messen. Eine nagelneue Batterie steht ersatzweise in meinem Keller. Sollte es das nicht sein, werde ich mal den Trick mit dem WD 40 anwenden und hoffen, das der Dampfer gnädig ist und reagiert.

Und wenn es beides nicht sein sollte, dann heißt es suchen bis der Arzt kommt. Allerdings muss ich das Dickschiff dann erstmal in meine eigene Garage bekommen und die liegt etwa 500 Meter entfernt… Ich werde berichten. An dieser Stelle nochmal ein dickes Danke an Peter für die schnelle Hilfe! Und ein Dankeschön an den lieben Herrn Gott, das er mich nicht im Bergischen stehen ließ. Denn der ADAC hätte mich sicher auch abgeholt, nur nicht so schnell…

Ein Wochenende mit der Schrankwand – Goldwing GL 1500

Nachdem ja die Zulassung des neuen Dickschiffs im Fuhrpark eine nahezu endlose Geschichte wurde, hat es jetzt pünktlich zur kalten Jahreszeit doch noch geklappt.

Um es ganz kurz zu machen: 6 Wochen Wartezeit um ein Kurzkennzeichen für die Fahrt zum TÜV zu erhalten und danach nochmal 4 Wochen Wartezeit bis zur Zulassung am Freitag. Wir sind eine Millionenstadt mit einer Zulassungsstelle, wo auch ohne Corona und Online-Termine schon täglich der Bär steppt. Und schaffen es nicht, mal eine zweite Zulassungsstelle einzurichten? Unfassbar… Naja, Schwamm drüber, jetzt ist die Schrankwand ja angemeldet.

Und natürlich habe ich das Wochenende ausgiebig dazu genutzt, die Goldwing mal zu erfahren. Am Samstag ging es mal wieder ins Sauerland und abseits von bevorzugten Routen habe ich das Dickschiff auch über kleinere und kurvenreichere Straßen gejagt. Und gejagt ist nicht übertrieben… Erstaunlicherweise lassen sich die 400 Kilogramm Alteisen recht geschmeidig auch durch enge Kurven pflügen, zumindest wenn man per integriertem Kompressor den Bock hinten quasi etwas hochgefahren hat.

Bei engen Kurvenkombinationen heißt es aber durchaus, die 1500er auch mal etwas abzubremsen, denn da macht sich das Gewicht dann doch bemerkbar. Aber für solche Exzesse wurde die GL ja auch nicht gebaut, ihr Steckenpferd ist das moderate cruisen. Und das beherrscht die Schrankwand wie keine andere. Hinter der Windschutzscheibe sitzt du quasi wie in Abrahams Schoß und der per Sitzheizung angenehm temperierte Wohnzimmersessel namens Sitzbank lässt dich in Zusammenarbeit mit den Warmluft ausströmenden Belüftungsklappen auch bei usseligen Temperaturen nicht den Kältetod sterben.

Apropos Sitzbank… Dank der Rückenlehne und den zusätzlichen Trittbrettern an den Sturzbügeln könnte man – bei eingeschaltetem Tempomat – auch in Versuchung kommen, auf dem Dickschiff einzuschlafen. Um dieser Gefahr nicht zu unterliegen, habe ich mich vorsichtshalber mit etwas härterer Mucke berieseln lassen. Aber kommen wir nochmal zu den Fahreigenschaften. Der Sechszylindermotor schnurrt angenehm und Diskussionen über Lautstärke von Auspuffanlagen an Motorrädern – wie in diesem Sommer häufig geführt – prallen an der Goldwing ab. Die Dicke schnurrt, sie bellt nicht.

Und hat doch ordentlich Zug am Gasgriff. Dabei dreht der 1500er-Motor aber nicht in astronomische Höhen. Zudem lässt sie sich auch im fünften Gang locker auch mit 1000 Umdrehungen fahren und verschluckt sich auch nicht, wenns dann wieder etwas zügiger wird. In punkto cruisen hat die Schrankwand wirklich etwas drauf, dafür wurde sie gebaut. Doch auch am Sonntag auf einer Tour durch Westerwald und an der Mosel entlang zurück durch die Eifel hab ich es bei zwischendurch zügiger Fahrweise nur ein einziges Mal „geschafft“, den Auspuff über den Teer zu schrubben.

Auch der Verbrauch zwischen 6 und 7,5 Litern ist angesichts des Gewichts der Fuhre noch in Ordnung. Ergo, für Fahrten mit unserer Yamaha-Clique dürfte die Goldwing deplatziert sein, da gehts dann doch noch einen Schlag zügiger zu. Fürs flotte cruisen oder auch eine Urlaubsfahrt hat sich am Wochenende die Schrankwand empfohlen. In Punkto Gepäckzuladung auch für mehr als nur ein Wochenende nimmt es die GL 1500 zumindest mit einem Smart auf.

Das einzige was mich ein paarmal verarscht hat war der Tacho. Denn eine amerikanische Goldwing hat naturgemäß einen Meilen-Tacho, was ich dann jetzt auch kapiert habe. Ich muss mir jetzt nur noch ein paar Markierungen an die Scheibe kleben, denn die km/h-Bezeichnungen sind in dunkelblau auf einer schwarzen Tachoscheibe und somit kaum zu erkennen. Aber das ist wirklich nur ein kleines Problemchen, ansonsten hab ich mich während der gut 650 Kilometer am Wochenende richtig in die Schrankwand verliebt.

Nicht das die Diva noch eifersüchtig wird…