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In meiner früheren Junggesellenkemenate hatte ich eine ältere Dame als Nachbarin. Eine eigentlich sehr nette Nachbarin mit einer klitzekleinen Unart: Sie war neugierig wie ein IM.

In meinen Sturm-und Drangjahren kam es schon mal häufiger vor, dass der Einflug in heimatliche Gefilde oft in der frühen Morgenstunden geschah. Naja, überwiegend am Wochenende… Das einem der Blick auf das mitgeführte Handzeiteisen infolge eines erhöhtem Alkoholkonsums manchmal vernebelt war – wer will es einem verdenken. Aber das machte auch nichts, da man seine Ankunftszeit auch beim nächsten Treffen mit der Nachbarin mitgeteilt bekam. Da konnte man auf Zehenspitzen oder sogar unsichtbar durch das Treppenhaus huschen, sie bekam es immer mit. Immer!

Teilweise begann ich mir wirklich ernsthafte Sorgen um ihren Schlafrythmus zu machen. Vielleicht litt sie auch unter Schlaflosigkeit oder sie musste gar überhaupt nie schlafen. Aber trotz ihrer erhöhten Wachsamkeit sah sie eigentlich immer sehr ausgeschlafen aus. Oder hatte sie gar Informanten, die sie frühzeitig über meine Heimkehr unterrichtete? Irgendeinen Trick hatte sie mit Sicherheit auf Lager…

Auch tagsüber lag sie meistens in ihrem Küchenfenster und grüßte auch immer freundlich, wenn mich mein Weg von den täglichen Frondiensten mal wieder nach Hause führte. Auch dabei machte ich mir schon Sorgen um sie. Diese ständigen Schmerzen, die sie insbesondere in den Unterarmen und im Ellenbogengelenk ertragen musste, wenn sie sich zu den langanhaltenden Beobachtungssitzungen aus dem Fenster lehnte und ihr Körpergewicht einseitig auf die Unterarme verlagerte.

Auch das regungslose Stehen hinter ihren Küchengardinen musste doch zwangsläufig zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Brachten ihr ihre informellen Tätigkeiten so viel ein, dass sie dafür sogar eine Thrombose in den Beinen in Kauf nahm?

Aber eigentlich war sie ja eine ganz nette Nachbarin. Nun, gestern habe ich durch Zufall erfahren, das sie vor kurzem verstorben ist. Nicht wegen der Gelenke und auch an keiner Thrombose. Altersschwäche war es wohl, denn sie ist stolze 97 Jahre alt geworden. Möge sie in Frieden ruhen…

Mein Name ist Hans

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Dieser Beitrag wurde 2 mal kommentiert

  1. Alex

    Ein schön geschriebener Artikel und ein schönes, stolzes Alter der guten Dame. Und wenn ich deine Artikel hier so lese, dann denke ich mir… offenesblog, offen für Gastautoren. Bist jederzeit herzlichst Willkommen, auch wenn ich weiß, dass es schon genug Zeitaufwand bedeutet, sein eigenes Blog zu füttern! ;)

  2. Hans

    Das werde ich höchstens mal hinbekommen wenn ich Urlaub habe. Ansonsten Blog, netzwerken… da geht ja schon alleine viel Zeit drauf. Aber danke für das Angebot, vielleicht ergibt sich mal etwas…